FM Kompakt zu Besuch bei Radio StHörfunk in Schwäbisch Hall

 

Haupt-Sendestudio von Radio StHörfunk

Im Juli 2022 besuchten wir das Freie Radio in Schwäbisch Hall. Daniel Kielczewski, Techniker und Moderator des Senders, sowie Jan Schlömp (hat die Fäden im Hintergrund in der Hand) begrüßten uns im Alten Schlachthaus, 2. Stock in der Haalstraße 9. Das ist die Anschrift des nichtkommerziellen Lokalradios. Sowohl Daniel, als auch Jan sind im Vorstand des Radiosenders wiederzufinden.

 

Gesendet wird seit Sommer 1995. Heutzutage ist man neben Schwäbisch Hall (97,5 MHz) auch in Crailsheim auf 104,8 MHz zu hören. Unter dem Motto „Selber senden – Frei & Bunt!“ wird das Programm von ehrenamtlichen RedakteurInnen gestaltet und ermöglicht allen interessierten Bürgern und gesellschaftlichen Gruppen einen freien Zugang zum Radio. Über 60 Aktive gestalten in 64 Sendungen das Radioprogramm. Charakteristisch sind die Vielfalt der Musikstile und Themen. Außerdem gibt es fremdsprachige Sendungen sowie ein lokales Nachrichtenmagazin und das Mittagsmagazin StHörmelder am Montag, Mittwoch und Freitag.

Medienpädagogische Projekte mit Schulen sind integraler Bestandteil des Radios. StHörfunk ist werbefrei und selbstverwaltet. Musikalisch spannt sich der Bogen von Punk, Reggae, Hip-Hop, Elektro und Rock bis zu Salsa, Volksmusik, Blasmusik, Jazz und Klassik. StHörfunk ist ein Radio zum Mitmischen. Es bietet jedem/jeder der/die sich kreativ - und im Rahmen der Programmrichtlinien - austoben will mit drei Radiostudios in Schwäbisch Hall die geeignete und einzige Plattform im Landkreis Schwäbisch Hall!

Allen RedakteurInnen gemeinsam ist die Präsentation von Themen und Musik aus subjektiver Sicht. Sie stellen Musik vor, die ihnen gefällt und die sie den ZuhörerInnen vorspielen, um die Zuhörer dafür zu begeistern: darunter Musikrichtungen, die nicht oder nur selten im privatkommerziellen oder öffentlich-rechtlichen Dudelfunk zu hören sind.

Wer Lust hat, sich auszuprobieren, alleine, oder zusammen mit FreundInnen, der Schule, dem Verein.., kann auch selbst einen StHörfleck gestalten & moderieren. 

 

Woher das Geld kommt

Für die Sendevoraussetzungen sorgt bei Radio StHörfunk ein Förderverein. Zu Beginn nannte er sich noch „Freies Radio Schwäbisch Hall“. Als 2004 die Crailsheimer Frequenz 104,8 MHz hinzukam, wurde die Ortsbezeichnung gestrichen und durch „StHörfunk“ ersetzt. Der Förderverein ist Inhaber der von der Landesanstalt für Kommunikation vergebenen Sendelizenz.

Neben Mitgliedsbeiträgen – außer aktiven Mitgliedern zählen dazu auch zahlreiche Förderer, Gruppen und einige Vereine – wird der Sendebetrieb durch GEZ-Gelder ermöglicht. Die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg in Stuttgart gibt sie an die freien Radios weiter. Diese Sockelförderung macht etwa 75 Prozent des Gesamtetats aus; rund 15 Prozent tragen die derzeit rund 150 Vereinsmitglieder bei. Ergänzt wird die Sockelförderung durch Projektförderungen wie etwa für das „Freilichtradio“, das zusammen mit den Freilichtspielen Schwäbisch Hall umgesetzt wurde.

Außerdem reicht die Landesanstalt für Kommunikation Gelder an das Bildungszentrum Bürgermedien in Ludwigshafen weiter. Durch finanzielle Unterstützung von dort kann Radio StHörfunk Einführungs- und Weiterbildungsseminare für SendungsmacherInnen anbieten.

Die freien Radios befinden sich also in starker Abhängigkeit von den durch die Landesanstalt für Kommunikation ausbezahlten GEZ-Geldern. Deshalb sind weitere Fördermitglieder und Spenden willkommen.

 

Auszugsweise die Chronologie von Radio Sthörfunk (Quelle: Radio StHörfunk)

Anfänge 1992

Ohne den "Club Alpha 60 e.V." gäbe es kein Freies Radio in Schwäbisch Hall. Die Jahreshauptversammlung 1992 beauftragte Rainer Grün einstimmig, die Gründung eines nichtkommerziellen Senders voranzubringen und eine Initiative zu gründen. Der Club stellte seine Bürostruktur sowie Räume für Treffen zur Verfügung und deckte die Aufwendungen für Material, Seminare und etwa die Fahrtkosten zu Landestreffen oder für Verhandlungen im Landtag. Tatkräftige Unterstützung leistete auch der DGB.

Mit Bescheid vom 29. März 1995 erhielt der Förderverein Freies Radio Schwäbisch Hall von der Landesanstalt für Kommunikation, auch für die Frequenzvergabe in Baden-Württemberg zuständig ist, die Lizenz für die Frequenz 97,5 MHz. Jetzt galt es, Räumlichkeiten zu finden und eine Ausstattung für Büro, Aufenthaltsraum und Sende- sowie Vorproduktionsstudios zu finanzieren. Denn der damalige Präsident der Landesanstalt für Kommunikation, Dr. Eugen Volz, hatte eine halbe Million Mark, die für die damaligen NKLs im Haushalt der Landesanstalt eingeplant war, mit einem Sperrvermerk versehen lassen. Später behauptete er, dass er keine gesetzliche Grundlage zur Förderung nichtkommerzieller Veranstalter gesehen hätte – die nötigen Förderrichtlinien hätten gefehlt. So zumindest vermittelt es ein von Radiomitgliedern verfasster Artikel im „AlphaPress“ vom Juni 1995.
Zeit genug, sich solche zu überlegen, hätte er gehabt, da die Frequenz bereits am 23. Oktober 1993 ausgeschrieben worden war. Schon am 19. August 1993 wurde der Förderverein ins Leben gerufen. Der erste geschäftsführende Vorstand bestand aus Rainer Grün, Michael Voigt und Günter Volz. Die Lizenz wurde Ende Juni 1994 beantragt.

Die denkbar schlechte finanzielle Ausgangslage beim Sendestart machte erfinderisch. Es wurden Info- und Basarstände initiiert, um Geld zu sammeln und Mitglieder zu gewinnen. Zu Sendebeginn hatten sich um die hundert Mitglieder eingefunden. Die Stadt gewährte einen einmaligen Zuschuss und vermietete Räumlichkeiten über die städtische Wohnbaugesellschaft. Außerdem gelang es, Spender zu finden.

 
 

Das 1. Mischpult von Radio StHörfunk - noch heute vor dem Redaktionsraum zu sehen

Mit Euphorie ans Limit


Am 22. Juni 1995 war das Studio in der Langen Straße 13 eingerichtet – mit einem selbstgebauten Mischpult vom ersten Techniker des StHörfunks, Sebastian „Sebo“ Dahmen. Der Techniker der Landesanstalt brauchte einige Zeit, um für eine ausreichende Sendequalität zu sorgen. Zwei Tage später war dann der offizielle Sendestart mit einem Straßenfest vor den Radioräumen.

Bei der Jahreshauptversammlung im Herbst herrschte Anfangseuphorie. Der Redaktionsraum vermochte die fast fünfzig anwesenden Mitglieder kaum zu fassen. Doch in den Berichten aus den Redaktionen war schon Ernüchterndes zu hören. So suchte die „Kunst und Kultur“-Redaktion mit drei Personen weitere MitarbeiterInnen. Und die sich mit Nachrichten beschäftigende „unzensiert“-Redaktion war mit ihrer täglichen Sendung an ihr Limit gestoßen. 

1996 kam das Aus für die Nachrichtensendung und damit für den Versuch, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Erfolgreicher war man damit, neue Mitglieder und Spender zu gewinnen.

Das Radio zieht um


„Ein Radio zum Hin- und nicht zum Weghören“, titelte die Heilbronner Stimme im Jahr 2000 in einem Artikel. Die Gründe zum Hinhören nahmen in der Folgezeit leider ab: weniger Sendungen und qualitativ nicht immer so, wie man es sich gewünscht hätte. Anders als zu Beginn nahmen die ehrenamtlichen RedakteurInnen die von der Landesanstalt für Kommunikation geförderten Fortbildungsangebote immer weniger wahr. Das ist nach mehr als 15 Jahren weiterhin Thema bei Redaktionsplenumssitzungen. Zwischen 2000 und 2003 befand sich Radio StHörfunk in einer Krise: ein abnehmendes Interesse am Radiomachen ging Hand in Hand mit einer inhaltlich eher linken Fixierung. Die Aufforderung der städtischen Wohnbaugesellschaft, in neue Räume im als Kulturzentrum geplanten Alten Schlachthaus in der Haalstraße 9 zu ziehen, erschien einerseits als zusätzliche Belastung, andererseits aber als Chance.

Durch die Nähe zu anderen KulturmacherInnen und mit einer stärkeren Öffnung in die Gesellschaft hinein erhoffte sich der Förderverein nicht nur neue SendungsmacherInnen, sondern auch mehr Mitglieder für den Verein. So wollte man mehr Unabhängigkeit von den Fördergeldern erlangen. Zugleich waren die Räumlichkeiten in zweierlei Hinsicht ein Fortschritt: Es war möglich, in die Einrichtung die für ein Radio nötigen Besonderheiten einzuplanen, und alle Räume befanden sich auf einer Ebene von 153 Quadratmetern.

 

Crailsheim auf 104,8 MHz
Weiteren Auftrieb bekam der Förderverein mit der Neulizenzierung ab 2004. Radio Ton erhielt eine bessere Frequenz für die Region, sodass es Radio StHörfunk auf der Crailsheimer Frequenz 104,8 MHz ein 24-Stunden-Fenster zur Verfügung stellte. Der Förderverein sah dies als Chance, im Crailsheimer Raum mehr Mitglieder zu gewinnen und warb für sich schon 2003 auf dem Crailsheimer Volksfest. Mit der neuen Frequenz änderte der Verein seinen Namen in Förderverein Freies Radio StHörfunk. LfK-Präsident Thomas Hirschle war dem nichtkommerziellen Radio einen Schritt hinsichtlich der Verbesserung des Empfangs entgegengekommen. Die schwache Sendeleistung von 100 Watt wurde aber nicht besser. Denn die bayerische Landesmedienanstalt beklagte, dass Radio StHörfunk mit stärkerer Sendeleistung und besserem Antennenstandort einen Sender in Würzburg störe. Wie gern wären die StHörfunker ihrem Namen auch in technischer Hinsicht gerecht geworden! 

Die zusätzliche Frequenz brachte leider nur wenige Neumitglieder aus dem Crailsheimer Raum. Deshalb beschloss der Verein, dort mit Büro und Studio präsent zu sein. Nach langer und zeitaufwändiger Suche konnten zwei Räume am Pamiers-Ring 15 gefunden werden. Sie stehen seitdem donnerstags zwischen 18 und 20 Uhr als Anlaufstelle zur Verfügung. Immer wieder hatte es Probleme mit Angestellten gegeben, die die Entscheidungen des Vorstands unterliefen. Deshalb werden seit 2004 Arbeiten nur noch auf Honorarbasis vergeben. Drei Jahre lang versuchte Nicol Zippel, das Radio durch Konzerte bekannt zu machen und die Zahl der Vereinsmitglieder aufzustocken. Das erwies sich jedoch finanziell als zu heikel und war letztlich leider wirkungslos. Konzerte werden nun keine mehr veranstaltet, aber immer noch DJ-Auftritte im „Löwenkeller“ des Club Alpha 60 oder im damaligen „Schwerpunkt Glück“.

Im März 2013 erhielt Miro Ruff als Radiokoordinator, der auch für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, eine Festanstellung in Teilzeit. Dank Miro erhielten wir von FM Kompakt, die Einladung zur Besichtigung des Freien Radios.

Mit Schwung ins Jahr 2014!
Neue Sendungen, die das Programm noch bunter machten, kamen in diesem Jahr dazu: Neben einem lokalen Sportmagazin Fokus Sport (So. 16.30 Uhr) gingen nun auch die Haller Freilichtspiele und der Hohenloher Kultursommer auf Sendung. Sie machten den Sommer über mittwochs von 16 bis 18 Uhr Festivalradio. Ebenso neu ist die Sendung „Glauben und Zweifeln“. Sonntags um 17 Uhr sitzen Angehörige verschiedener Glaubensrichtungen und nach Sendungsthema eingeladene Gäste am runden Tisch und diskutieren Themen von Atheismus bis soziale Einrichtungen.
Der offene Sendeplatz „StHörfleck“ wird indes immer beliebter. Der für Gruppen, Vereine und Schulklassen gedachte Sendeplatz wird wöchentlich mit verschiedenen Themen bestückt und täglich wiederholt.

2018: Nachrichten & Antennenverkäufe


Zum Jahreswechsel wurden die 12-Uhr-Nachrichten von Deutschlandfunk Kultur zum festen Bestandteil des Mittagsmagazin „StHörmelder“.

Das UKW-Signal von Radio StHörfunk wird seit der ersten Sendestunde 1995 über eine Antenne auf dem Fernmeldeturm am Schenkensee abgestrahlt. Crailsheim wird seit 2004 über eine Antenne auf dem Dach des ehemaligen Telekomgebäudes versorgt. Für Wartung, Sendezuleitung und Abstrahlung über die beiden Antennen war bis 2015 allein das Telekom-Tochterunternehmen Media Broadcast beauftragt.
Nach der der Privatisierung des Antennenmarktes ab Januar 2016 ist die Media Broadcast vom Radio zum Sender zuständig. Für den Sender und die Abstrahlung hat die Divicon Media Holding aus Leipzig nach einer Ausschreibung den Zuschlag erhalten. Nach dem Verkauf von Media Broadcast an die Freenet AG fiel die Entscheidung, sich zukünftig nur noch auf den Digitalradiobereich zu konzentrieren. Das bis dahin marktbeherrschende Unternehmen verkaufte in einer bundesweiten Aktion 2018 über 700 Radioantennen. Die Haller Antenne wurde an „Radio Ton“ verkauft, die Crailsheimer an das Unternehmen „Milaco“, das die Miete deutlich erhöht hat.

Sehr gerne würde man mit dem freien Radio aus Schwäbisch Hall auch bis nach Heilbronn senden. Allerdings sieht man derzeit geringe Chancen auf einen anderen Standort, welcher die Empfangssituation deutlich erweitern könnte.

Im Mai 2022 wurde Radio StHörfunk von der Landesanstalt für Kommunikation mit einem Sonderpreis für Gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet.

Auf die Frage, ob es bei StHörfunk Pläne zur Ausstrahlung via DAB+ gibt, ist Daniel noch etwas skeptisch. "Es besteht die Gefahr, dass wenn wir über DAB+ senden, keine Verlängerung unserer UKW-Lizenz erhalten". Es bestehen Überlegungen, die natürlich gut abgewogen werden müssen.  Daniel Kielczewski ist übrigens immer Freitags zwischen 19 und 20 Uhr mit seiner Sendung "Sluggish" auf Sendung. Sluggish läutet beim StHörfunk mit Reggae, Dancehall und Ska das Wochenende ein. 

Das sympathische freie Radio aus Schwäbisch Hall - eine gute hörbare Alternative gegen den Mainstream!

Bilder-Copyright: Radio StHörfunk

 

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