FMK – Radiotage rund um Cham

 

Vom 16. bis 17. Juni 2017 fanden die FM Kompakt Radiotage in der Oberpfalz statt. Dank der Organisation von Daniel Paul bekamen wir unvergesslich schöne Einblicke, sowohl in die Radio-Szene, als auch in die Urlaubsregion um den Hohenbogen. So erlebten wir im Lauf der beiden Tage eine Führung durch das Labyrinth der unterirdischen Felsengänge von Furth im Wald und erlebten den Further Drachen feuerspeiend und tanzend anlässlich eines Rock-Konzertes. Hier ist die Heimat des berühmten „Drachenstiches“. Der Drachenstich in Furth im Wald gilt als ältestes Volksschauspiel Deutschlands. Die Hauptattraktion des Drachenstiches besteht aus dem weltgrößten Schreitroboter. Wir bezogen in Furth im Wald unser Quartier – und zwar in einem Hotel mit dem passenden Namen:  „Hohenbogen“. Das Zimmer mit Blick auf den imposanten Berg, der am Freitagmittag unser erstes Ziel werden sollte. Daniel lies es sich nicht nehmen, einige der Teilnehmer in seinem Feuerwehr-Oldtimer am Hotel abzuholen, um diese auf den Hohenbogen zu chauffieren.

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Dieser Ford Transit wurde 1976 zugelassen – das Fahrzeug war 41 Jahre im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Walting und ist heutzutage Eigentum des neuen, stolzen Besitzers: Daniel Paul. In diesem Fahrzeug hatte dessen Mutter als jugendliches Mädchen bereits ihr Feuerwehrleistungsabzeichen gemacht.

Die letzte steile Steigung in Richtung Hoher Bogen ging es dann über mehrere Hundert Meter im ersten Gang laughing

An der Sendeanlage begrüßte uns der BR-Sendertechniker Fritz Zeitler, welcher schon seit über 25 Jahren am Standort Hohenbogen im Dienst ist.

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Vlnr: Alexander Heibel, BR-Techniker Fritz Zeitler, Daniel Paul und Ralf Zech

 

Daniel Paul, Kenner der Sendeanlage Hohenbogen wie kaum ein Zweiter, hat für uns folgendes Portrait über den Senderstandort zusammengestellt:

65 Jahre im Dienste der Rundfunkübertragung

Am 27. Oktober 1952 startete UKW-Hörfunk vom Hohenbogen 

Im Norden die Grenzstadt Furth im Wald und das Chambtal, im Süden Bad Kötzting und das Regental, im Westen das Chamer Land und im Osten der Grenzkamm mit dem Großen Arber: Vom 976 m hoch gelegenen Burgstallgipfel, dem westlichen Ausläufer des Hohenbogen-Höhenzuges, der das Chamb- und Regental um fast 600 Meter überragt, liegt einem der ganze Obere Bayerische Wald zu Füßen. Bei guter Fernsicht im Herbst und Winter reicht der Blick gar bis hinunter zu den Salzburger und Bayerischen Alpen.

Und genau seit 65 Jahren betreibt der Bayerische Rundfunk hier oben eine Senderanlage.  

Ein Blick in die Geschichte der BR-Station:

Bereits im Sommer des Jahres 1951 errichtete der Bayerische Rundfunk auf dem Burgstallgipfel den ersten Versuchssender für „ultrakurze Wellen“. Dazu wurde ein kleines Häuschen gebaut sowie ein 20 Meter hoher Rohrmast aufgestellt, um UKW-Ausbreitungsmessungen vorzunehmen. Diesen Voruntersuchungen über die Eignung des Standortes folgte schließlich am 19. Mai 1952 der Spatenstich zum Baubeginn des ersten richtigen Sendegebäudes.

Unter schwierigsten Bedingungen entstand im Sommer 1952 ein an den Berg und die Natur angepasstes Stationsgebäude. Zur Versorgung der neuen Anlage mit Elektrizität wurde zusätzlich eine Kabeltrasse vom Burgstall bis zum Teufelsbauern gegraben. Dort baute man zur gleichen Zeit eine Trafostation. In diesem neuen Kabelgraben wurde ein 6 kV-Kabel sowie ein Signalkabel verlegt. Die Kabellänge betrug etwa 1450 Meter.

Am 1. August 1952 wurde das Richtfest des Sendehauses für den neuen UKW-Sender begangen. Das weithin sichtbare Bauwerk war jedoch der neue gut 30 Meter hohe Gittermast, an dem die UKW-Felder zur Abstrahlung des Hörfunkprogramms angeordnet waren. Dieser erhob sich erst im Spätsommer 1952 in den Himmel, dessen Positionslichter fortan nach allen vier Himmelsrichtungen durch die Nacht strahlten und dessen „Zebraanstrich“ am Tage schon von weitem anzeigte, dass die Technik auf dem höchsten Berg des Oberen Bayerischen Waldes Einzug gehalten hat.

Am 27. Oktober 1952 ging die neue Senderanlage in Betrieb. Gesendet wurde im UKW-Kanal 8 auf der Frequenz 89,3 MHz mit einer Strahlungsleistung von rund 20 Kilowatt (kW). Zum Einsatz kam ein hochmoderner Sender des Herstellers Telefunken mit einer Ausgangsleistung von 3 kW.

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Das Stationsgebäude und der Gittermast aus den Anfangsjahren der Sendestation. Das Bild entstand im Sommer 1955 ©Daniel Paul

 

Über den UKW-Sender am Hohenbogen wurde von spätnachmittags bis in die Nacht hinein die neue zweite Hörfunkwelle aus der UKW-Zentrale Nürnberg verbreitet, die erst 1958 zum Vollprogramm, dem heutigen Bayern 2 ausgebaut wurde. Am Tag übertrugen diese Sender der ersten UKW-Kette das Programm der Mittelwelle (dies war damals das erste Hörfunkprogramm des Bayerischen Rundfunks).

Am 29. September 1957 fand dann ein UKW-Programmwechsel an einigen Standorten in Bayern statt, worauf auch vom Hohenbogen nur noch das erste Hörfunkprogramm des BR gesendet wurde.

Welche Bemühungen diesem Lückenschluss des Bayerischen Rundfunks mit der Inbetriebnahme seines Senders auf dem Burgstallgipfel damals vorausgingen und welche Freude nach dessen Fertigstellung bei den Grenzlandbewohnern vorherrschte, geht aus vielen historischen Artikeln der damaligen Heimatzeitungen hervor. Denn die ursprünglich angepeilte UKW-Versorgung des nördlichen Bayerischen Waldes über die Sender Brotjacklriegel und Ochsenkopf erschien wegen der großen Entfernungen nicht realisierbar. 

Am 21. Dezember 1961 begann vom Hohenbogen – damals noch über den alten Gittermast – die Abstrahlung des Deutschen Fernsehens, wie Das Erste einst bezeichnet wurde.

Und ein Jahr später, am 11. Januar 1963 nahm bereits der zweite UKW-Sender, diesmal vom Hersteller Rohde & Schwarz seinen Betrieb auf. Auch dieser wurde vom alten Gittermast über eine provisorische Sendeantenne mit 2 kW ERP abgestrahlt, der Sender selbst hatte nur 600 Watt Ausgangsleistung.

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Der neue Stahlbetonturm steht kurz vor der Fertigstellung. Es fehlen noch die Antennen sowie die Verkleidung des aufgesetzten Stahlträgers – die Aufnahme stammt von 1965 ©Daniel Paul

Während auf der 96,8 MHz (hier gab es mittlerweile zwei Frequenzwechsel) weiterhin das erste Radioprogramm übertragen wurde, konnte über den neuen Sender nun auch wieder die zweite Hörfunkwelle des Bayerischen Rundfunks empfangen werden.  

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Diese einmalige Luftaufnahme aus dem Jahr 1968 zeigt den Sendeturm am Hohenbogen, so wie er 1964/1965 ursprünglich errichtet wurde. Aufgrund der großen Antennenspitze hatte er bis zum Sturmschaden 1974 eine Länge von 83,7 Metern. Heute ist er zehn Meter kürzer ©Daniel Paul

Als mit dem Start des zweiten und später des dritten Fernsehprogramms auch die Deutsche Bundespost ihr Interesse am BR-Standort Hohenbogen bekundete, wurde die Anlage 1964 groß ausgebaut und der heutige Stahlbetonturm errichtet. Das Sendegebäude wurde nach Süden mit einem Flügel – wieder aus grob gehauenen Steinen gemauert – erweitert, in den die Post ihre Anlagen für das zweite und dritte Fernsehprogramm einbaute. Nach dem Sturmschaden am Allerweltskirta-Sonntag 1974, bei dem die rot-weiße Spitze mit den Fernsehantennen abknickte, wurde die gesamte Anlage 1976/1977 erneut umgebaut und modernisiert.

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Am Allerweltskirta-Sonntag des Jahres 1974 knickte eine schwere Sturmböe den Antennenträger wie ein Streichholz ab ©Daniel Paul

Ende Oktober 1976 bekam der Betonturm eine neue Antennenspitze, die damals mittels eines Krans empor gehievt wurde. Mit der Inbetriebnahme von neuen UKW-Sendern des Herstellers Telefunken startete am 15. Juli 1977 vom Hohenbogen nun auch das dritte Hörfunkprogramm, damals bezeichnet als die neue „Autofahrerwelle aus München“. Rund 3,4 Millionen Mark ließ sich der Bayerische Rundfunk diese Umbauarbeiten damals für seine Teilnehmer kosten.

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Nachdem im Jahr 1976 die Antennenanlage wieder komplett aufgebaut wurde, kehrte für einige Jahre Ruhe auf der Station ein. Erst 1990 wurde das Stationsgebäude wieder erweitert ©Daniel Paul

Am 28. Oktober 1983 startete Bayern 4 Klassik (heute BR-KLASSIK) und am 15. September 1988 das erste landesweite private Hörfunkprogramm Antenne Bayern. Wenige Wochen vorher, am 1. August 1988 nahm der Bayerische Rundfunk auf der Station einen neuen UKW-Sender für das Ausländerprogramm in Betrieb, über dessen Frequenz 104,4 MHz seit Mai 1991 das Informationsradio „B5 aktuell“ gesendet wird.

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Im Zuge der DVB-T-Einführung im Spätherbst 2006 bekam der Stahlbetonturm wieder eine neue Spitze mit UHF- und VHF-Antennen ©Daniel Paul

Nach der Umstellung auf das digitale Antennenfernsehen am 6. Dezember 2006 mit der zeitgleichen Einstellung der analogen Fernsehübertragung ist mittlerweile auch der Hörfunk im digitalen Zeitalter angekommen.

Zwölf Fernsehprogramme (DVB-T) sowie sieben analoge UKW- und zahlreiche digitale (DAB+) Hörfunkprogramme sind aktuell von der Station empfangbar und bieten eine noch nie dagewesene Vielfalt.

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Der Sendeturm am Hohenbogen heute: Er versorgt den Oberen Bayerischen Wald mit Hörfunk- und Fernsehprogrammen in bester Qualität ©Daniel Paul

 

 Über den Standort Hohenbogen werden folgende Programme ausgestrahlt - Stand Juni 2017:

 

UKW:

Bayern 1 – 96,8 MHz (50 kW)

Bayern 2 – 91,6 MHz (50 kW)

Bayern 3 – 94,7 MHz 50 kW)

BR-KLASSIK – 88,3 MHz (5 kW)

B5aktuell – 104,4 MHz (50 kW)

Antenne Bayern – 101,9 MHz (50 kW)

Radio Charivari – 92,7 MHz (0,4 kW)

 

DAB+:

Kanäle 11D und 12D (je 4 kW)

 

DVB-T:

Kanal 28 – BR-Mux (100 kW)

Kanal 33 – ZDF-Mux (50 kW)

Kanal 42 – ARD-Mux (100 kW)

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Die Teilnehmer der FMK-Radiotage Mitte Juni 2017 unterhalb des Sendeturmes „Hohenbogen“

 

Text und Bilder für FM Kompakt © : Daniel Paul

 

Neuigkeiten

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Interview mit Jürgen von Wedel


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