FMK-Besuch beim Antennen/Verstärkerfachmann Hugo Heimann in Obertraubling

 

 

 Die Heimann-Werkstatt ©Bernhard Fischer

Mitte Juni 2017 organisierte Daniel Paul für FM Kompakt die Radiotage rund um Cham. Neben dem BR-Standort Hoher Bogen und dem Radiomuseum in Cham besuchten wir auch die Fachwerkstatt des begnadeten Antennen- und Verstärker Spezialisten Hugo Heimann in Obertraubling. Mit Herrn Heimann hatte ich bereits im Jahr 2016 Kontakt, denn an meinem Wohnort in Heilbronn konnte ich mehr schlecht als recht die privaten Stationen aus Bayern auf DAB+ empfangen. Deshalb nahm ich telefonisch mit der Fachwerkstatt Kontakt auf, beschrieb meine Empfangssituation und welchen Kanal ich gerne stärker empfangen möchte. Bereits am Telefon beeindruckte mich, dass Herr Heimann tatsächlich exakt nach meinen Wünschen und Vorgaben einen DAB+ Verstärker in Handarbeit anfertigte. Wenige Tage nach dem Telefonat war das Päckchen aus Obertraubling in Heilbronn angekommen. Den Verstärker ausgepackt, an meine 5 Element-unter-Dach-Antenne angeschlossen….. und siehe da: Bei den Bayerischen Privaten hatte ich statt bisher 2-3 Kästchen am DAB+ Empfänger, nun 4-5 Kästchen und damit stabilen Empfang in Heilbronn J Umso mehr freute ich mich, Herrn Heimann persönlich kennenzulernen.

Zusammen mit seinem Sohn Norbert führte er uns durch die beeindruckende Werkstatt, zeigte uns die Messplätze und erzählte von seinem schier unerschöpflichen Wissen und seinen Erfahrungen aus über 40 Jahren Verstärkerbau.

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Vater Heimann (links) und Sohn (Mitte) ©Daniel Paul

 

Die nachfolgenden Zeilen schrieb Thomas Riegler über den Besuch in Obertraubling, in der Nähe von Regensburg:

 

Empfangswunder für DVB-T

DVB-T-Fernempfang kann überaus spannend sein, wenn man es schafft, damit nicht mehr ortsübliche Programme aus der Nachbarschaft auf den Bildschirm zu zaubern. Insbesondere, wenn es darum geht, die Sender aus Österreich, der Schweiz oder etwa den Niederlanden auf den Schirm zu bekommen, die über Satellit verschlüsselt, und somit für Deutsche unerreichbar sind.

Dazu braucht es einmal eine gute und leistungsstarke Antenne. Diese kann schon mal deutlich über zwei Meter lang sein, an die 90 Elemente haben und muss immer noch nicht genügen. Wohnt man bereits weiter hinter der Grenze, vermögen mitunter auch Zwillingsantennen kaum zum Ziel zu führen. In solchen Fällen braucht es einen Antennenverstärker.

 

Antennenverstärker

 

Sie gibt es in zahlreichen Ausführungen. Maßgeblich scheint der Verstärkungsfaktor zu sein. Er gibt an, um wie viele dB das in ihm eingespeiste Signal verstärkt wird. Modelle mit einem Verstärkungsfaktor bis etwa 20 dB dienen primär zum Anheben des noch zu verteilenden Antennensignals. Denn der Empfang direkt an der Antenne ist immer besser, als an der Antennensteckdose im Wohnzimmer. Die Verteilung und die langen Antennenkabel dämpfen die Signale nämlich nicht unerheblich. Für schwierige Empfangssituationen kommen große Verstärker, die bis zu 30 dB bringen, zum Einsatz.

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Sämtliche Verstärker werden nach individuellem Kundenwunsch exakt abgestimmt @Daniel Paul

 

Warum geht trotzdem nichts?

 

Ein Verstärker vermag keine Wunder zu bewirken und kann nur das verstärken, was an seinem Eingang ankommt. Dies ist neben dem meist mehr als schwachem Programmpaket vor allem unerwünschtes Rauschen, das ebenfalls verstärkt wird. Es hilft demnach nichts, die Empfangsleistungen einer kleinen Antenne durch einen Verstärker aufpäppeln zu wollen. Wenn von ihr nichts kommt, vermag auch der Verstärker keine Wunder zu vollbringen. Verstärker von der Stange, so wie sie von den bekannten Herstellern geliefert werden, sind üblicherweise Breitband-Verstärker, die den gesamten UHF-Bereich von Kanal 21 bis 69 bedienen. Sie bearbeiten nicht nur entfernte schwache Sender, sondern auch alle mit hohem Pegel ankommenden Ortssender. Dadurch kann es zu Übersteuerungen kommen, womit nun mitunter weniger funktioniert als ohne Verstärker. Und vor allem: Das entfernte Programmpaket kommt auch mit ihm nicht.

Die Qualität eines guten Verstärkers wird auch durch sein Grundrauschen bestimmt. Es wird durch die in ihm verbauten elektronischen Bauteile, dem Gesamtaufbau und der Abstimmung im Gerät verursacht. Je höher das Rauschen, umso schlechter arbeitet ein Verstärker, da er auch sein eigenerzeugtes Grundrauschen an den Fernseher weiterleitet. Dem Grundrauschen wird dennoch bei der Massenproduktion nur wenig Beachtung geschenkt und es wird teils nicht einmal angeführt. Übliche Werte sind rund 5 bis 10 dB. Besonders gute Ware rauscht auch etwas weniger.  Bis vor etwa einem Jahr konnten wir an unserem oberösterreichischen Testort zwei DVB-T-Pakete aus Deutschland weitgehend einwandfrei empfangen. Über Nacht war damit Schluss und es war nur noch in seltenen Fällen der Rest eines schwachen Restsignals feststellbar, das der Receiver aber nicht einmal einlesen konnte. Selbst mit dem Einsatz verschiedener im Handel erhältlicher Verstärker konnten wir keine Verbesserung mehr erreichen. Womit auch die Programme fern blieben. War’s das gewesen?

 

 

Gottbegnadete Tüftler

 

Hilfe fanden wir schließlich in einem kleinen unabhängigen Elektrofachgeschäft mit angeschlossener Werkstatt in der Region um Regensburg. Dem Besitzer ärgerte schon immer, dass er mit den von den großen Firmen erhältlichen Verstärkern das österreichische Fernsehen nie gut hereinbekam. So begann er damit, selbst Vorverstärker zu bauen. Dabei stellte er fest, dass nicht nur die Verwendung hochwertiger Bauteile ankommt, sondern auch, wie sie aufeinander abgestimmt sind. Auf diese Weise werden in dieser Werkstatt noch heute Verstärker nach Kundenwünschen gebaut und in mühevoller, viele Stunden währender Tüftelei auf maximale Wirksamkeit abgestimmt. Dazu stehen hochwertige Messgeräte zur Verfügung, die die Verstärker genauestens unter die Lupe nehmen und gnadenlos aufdecken, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Sie sind es, gepaart mit der jahrelangen Erfahrung, die wahre Verstärker-Wunderkästchen entstehen lassen. Solche handgefertigten Verstärker werden meist speziell für einzelne Kanäle oder Kanalgruppen gebaut. Die von ihnen erreichten Werte sind schlicht faszinierend, um nicht zu sagen, schon beinahe unglaublich! Kanalverstärker bringen es auf Verstärkungsleistungen von ca. über 35 dB bei Rauschzahlen um 0,6 dB. Bereichsverstärker, die für den Empfang benachbarter schwacher Kanäle, wie die aus Salzburg stammenden Kanäle 29 und 32, ausgelegt sind, schaffen bis um die 35 dB bei Rauschzahlen um 0,8 dB. Selbst Gesamt-UHF-Verstärker verblüffen bei bis zu 30 dB Verstärkung auf Rauschzahlen von etwa 1 dB oder sogar darunter.

 

Unser Empfangswunder

 

Auch wir haben uns einen Bereichsverstärker für UHF anfertigen lassen und durften selbst Zeuge sein, wie er abgestimmt wurde. Er ist, unserem Wunsch entsprechend, für Kanal 27 bis 43 ausgelegt. Bei unseren Sorgenkindern auf Kanal 27 und 33 attestierten uns unsere Receiver direkt an der Antenne unter normalen Empfangsbedingungen nicht einmal mehr Reste eines Signals. Auch mit dem Messempfänger konnten wir kaum mehr ausmachen. Mit einem handgefertigten 30-dB-UHF-Breitbandverstärker konnten wir immerhin schon 4 und 2 dB über Grundrauschen ausmachen, was für den Empfang aber immer noch viel zu wenig war. Zum einwandfreien Fernsehbild gelangten wir erst mit unserem 33-dB-Bereichsverstärker.Er sorgt auf Kanal 27 für einen Nutzsignalpegel von 8 bis 9 dB und somit einwandfreien Empfang. Auf dem immer schon schwächer hereinkommenden Kanal 33 sind es 6 bis 7 dB. Damit bewegt sich das Paket an der unteren Grenze und die in ihm enthaltenen Sender neigen vereinzelt zu Klötzchenbildungen. Dennoch ist das mehr, als wir mit diesem Verstärker zu erreichen hofften. Bei uns hat er quasi aus dem nichts neue Programme herausgeholt – was uns mit keinem anderen Verstärker aus Massenfertigung gelungen ist. Dank der guten Empfangsleistungen müssen wir uns nicht mehr nur auf eine direkte Leitung zwischen Antenne und einer DVB-T-Box beschränken, sondern speisen unsere acht deutschen Programme gemeinsam mit den ortsüblichen in die Hausverteilanlage ein, womit wir an jedem TV-Gerät davon profitieren. So etwas wäre früher undenkbar gewesen.

Letztlich hat uns der von begnadeter Hand geschaffene Verstärker auch Geld sparen geholfen, da wir es uns ersparen konnten, eine zweite Antenne für den Empfang der mehr als schwachen Signale zu installieren.

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 Während unseres Besuches wurden die ersten Verstärker bereits bestellt ©Daniel Paul

 

Verbesserung auf allen Wellen

 

Nach unseren Erfolgen im TV-Bereich haben wir uns auch Verstärker für DAB-Fernempfang und UKW anfertigen lassen. In unserem Osttiroler Büro bekamen wir nur sehr schwach Digitalradio aus dem benachbarten Südtirol – mit entsprechend großem Antennenaufwand, da auch hier jeder normale Verstärker versagte. Mit dem handgefertigten Teil meinen wir nun, direkt neben dem Sender zu wohnen und können DAB ebenfalls im ganzen Haus verteilen. Zuvor waren wir froh, überhaupt Digitalradio mit einem direkt an den Antennen angeschlossenem Radio gerade mal einwandfrei zu hören. Auch der UKW-Verstärker sorgte für signifikante Verbesserungen.

Thomas Riegler

 

Thomas Riegler schreibt auch für das Fachmagazin DIGITALFERNSEHEN (www.digitalfernsehen.de)

 

Kontaktdaten :


Heimamm GbR

Piesenkofener Str. 15-17

93083 Obertraubling

Tel:      09401/6647

Fax:     09401/51045

Mail:    Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

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FMK on Tour – zu Besuch bei Hugo und Norbert Heimann (in der Mitte) ©Daniel Paul

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