Baraque Michel im Hohen Venn – Foto: Thomas Kircher

Ende der 1970er, Anfang der 80er Jahre befand sich der Rundfunk in Deutschland noch im Dornröschenschlaf. Vor allem die Jugend fühlte sich durch die Öffentlich-Rechtlichen nicht wahrgenommen. Deshalb schalteten die Hörer, deren Musik bei den ÖRAs deutlich zu kurz kam, auf die Mittel- und Kurzwelle. Man nahm das Knistern und Rauschen in Kauf, um die fröhlichen Wellen aus Luxemburg und „frischen Sound“ aus anderen Ländern zu hören. Auch ich kam in meinen Jugendtagen in den Genuss der wohl damals bekanntesten ostbelgischen Station, nämlich Radio Benelux (BNL). Meine Großeltern wohnten im Sauerland und hier war zwar das Wetter meist schlecht, doch der BNL-Empfang im mittransportierten Grundig Satellit 3400 gut. Benelux überbrückte damals etwa 180 Kilometer Luftlinie und war für mich als Südtirol-Hörer eine tolle Alternative. Die meisten Sender aus Südtirol wurden großspurig mit viel Geld auf die Beine gestellt, man holte sogar Moderatoren der Öffentlich-Rechtlichen aus Deutschland. Ganz anders war es bei BNL und vielen anderen ostbelgischen Stationen. Hier war es nicht das große Geld und perfekte Technik, die im Vordergrund standen, sondern oftmals das Radiohobby und die Leidenschaft. On air mit fetzigen Jingles, Partystimmung, gerne auch dank Alkohol, und dazu alternative Musik waren bei manchen ostbelgischen Pionieren das Markenzeichen.

Die Tatsache, dass im angrenzenden Ausland zum Teil bereits privates Radio geduldet wurde, brachte einige Technikfreaks auf die Idee, diese Gesetzeslücken zu nutzen und selbst Radiosender grenznah aufzubauen. Diesen Männern haben wir es letztendlich zu verdanken, dass alle Hörer, die diese spannenden Zeiten damals miterlebt haben, sich heute wehmütig an diese faszinierende Zeit zurückerinnern. Nicht zuletzt durch die Pionierarbeit in Ostbelgien wurde der Grundstein für Privatradio in Deutschland gelegt.

FM Kompakt besuchte in den vergangenen Jahren mit Südtirol, dem Elsass und der niederländischen Nordseeküste diverse geschichtsträchtige Standorte und lernte einige legendäre Radiomacher kennen. Allerhöchste Zeit, um mit Ostbelgien eine Region anzusteuern, innerhalb der viele deutschsprachige Stationen ihr Glück versuchten. Dieter Steffens veröffentlichte innerhalb der Facebook-Gruppe „Radio in Ostbelgien von gestern bis heute“ eine Übersicht der jemals aktiven Stationen in dieser Region. Dabei ist eine beeindruckende Auflistung zusammengekommen:

Radio Aktivität (Eupen)
Radio Benelux
Radio Bockreiter
Radio Contact Eupen
Eifelwelle 90,1
Radio Distel
Radio Euro
Radio Fantasy
Henri Radio
Radio Hermann
Radio International Kettenis
Radio International Elsenborn
Radio Kaktus
Radio Metropole
Radio OK!
Radio Oldyshop
Radio Eifelwelle International
Radio Sunshine
Radio Studio Kelmis
Radio Telstar International
89.0 Hitradio X
Antenne 3 (Nachfolger von Radio Metropole)
RealFM
Radio 101 (Gemmenich)
Radio BBC (Raeren)
Radio Compakt Eifel (Elsenborn)
Radio 700
OBR (Rocherath) 1980
Radio Copacabana (Gemmenich)
Power FM (Hauset)

Noch heute gibt es in Ostbelgien eine Handvoll Sender, die komplett in Deutsch moderiert werden. Neben dem Belgischen Rundfunk (BRF) sind dies folgende Stationen:

  • 100,5 Das Hitradio
  • Radio Contact Ostbelgien NOW
  • Radio Sunshine
  • Radio 700
  • Radio Fantasy

Diese Radiosender sind in der Region natürlich besonders beliebt, da man dieselbe Sprache spricht und Informationen vor Ort erfährt. Man sendet für die knapp 80.000 Einwohner der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) zwischen Kelmis und St. Vith. Teilweise ist der Empfang in Richtung Aachen und darüber hinaus möglich.

Wir bezogen in Eupen unser Quartier. Eupen ist mit ca. 19.500 Einwohnern die größte Stadt innerhalb der DG und zugleich Sitz der deutschsprachigen Regierung Belgiens.

Zum Besuch der ersten Station fuhren wir wieder über die Grenze, zur westlichsten Stadt Deutschlands, nämlich nach Aachen. Hier besuchten wir das Regionalstudio des Westdeutschen Rundfunks. Auf dem Weg dorthin besichtigten wir das Dreiländereck und den Baudoin-Turm auf belgischer Seite.

Scan am Dreiländereck – Foto: Thomas Kircher

Er liegt 6 Meter neben der deutschen und 20 Meter von der niederländischen Grenze entfernt. Vom Baudoin-Turm aus sendeten in den 1980ern u.a. auch Radio Telstar International (RTI) und Radio 101. RTI war aufgrund des hervorragenden Standorts in großen Teilen von Niederländisch-Limburg bis weit nach Nordrhein-Westfalen zu empfangen. Man übertrug auf 104,20 MHz u.a. die Nachtprogramme von Henri Hot Hits 104,90 MHz live aus dem Studio in Henri-Chapelle.

Radio 101 sendete vom Baudion-Turm gezielt nach Aachen - Foto: Chris Moll

Das Dreiländereck oberhalb von Gemmenich (B), Vaals (NL) und Aachen (D) ist ein beliebtes Ausflugsziel. Der 34 m hohe Aussichtsturm ragt über die Baumwipfel hinweg. Von hier aus genießt man einen allumfassenden Blick über das gesamte Umland: In Richtung Belgien, über die Gemeinde Gemmenich bis ins Hohe Venn. In Richtung Holland geht der Blick über Heeren bis zum 30 km entfernten Maastricht. Auf deutscher Seite ist die Eifel, das Kohlekraftwerk Weisweiler und das Aachener Klinikum zu erkennen. Unübersehbar ist von hier aus natürlich auch der WDR-Sender Aachen-Stolberg. Gleichzeitig ist der „Drielanderpunt“ der höchste Punkt der Niederlande, bzw. mittlerweile nur noch des europäischen Teils des Königreichs mit einer Höhe von 355m ü. NN. Die Anhöhe wird oft auch von Funkamateuren für ihre Fuchsjagden und für DX-Camps genutzt.

Die Radiopioniere Chet Reuter (u.a. Henri Radio) und Chris Moll (u.a. Radio 101) begleiteten uns auf der Ostbelgien-Tour – Foto: Thomas Tepe

Von hier aus ging es zur Besichtigung des WDR-Studios Aachen. Dieser WDR-Standort existiert seit 1987. In Aachen wird von ca. 80 Mitarbeitern sowohl für das Radio als auch fürs Fernsehen produziert.

WDR-Studio in Aachen – Foto: Thomas Kircher

Während unseres Besuches war die Räumung des Hambacher Forsts das alles beherrschende Thema. Die dortige Baumhauskolonie und die vorangegangenen zahlreichen Proteste im Hambacher Forst gelten als Symbol des Widerstands gegen den Braunkohleabbau. Der WDR Aachen war in diesen Tagen DIE Quelle an Berichterstattung und Informationen innerhalb der ARD. Der WDR ist in Nordrhein-Westfalen mit elf Studios vertreten. Das Studio Aachen berichtet von Wegberg bis Dahlem, der Euregio Maas-Rhein und aus der Eifel.

WDR Aachen – Foto: Thomas Tepe

Informiert wird auf WDR 2 (Aachen-Stolberg 100,8 MHz) von Montag bis Freitag von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends immer um Halb. Anfänglich hatte der WDR Aachen ganze drei Stunden eigene Sendezeit und brachte innerhalb von WDR1 mit dem „Grenzlandradio“ morgens ein buntes Magazin, das in Konkurrenz zu den aus Belgien einstrahlenden Programmen etwas flotter gestaltet und mit professionellen Jingles versehen war. Die Präsentation des „Grenzlandradios“ war damals im öffentlich-rechtlichen Hörfunk Deutschlands eine Ausnahme.

TV-Produktion – Fotos: Thomas Tepe

Die „Lokalzeit aus Aachen“ im WDR Fernsehen wird Montag bis Samstag zwischen 19.30 und 20.00 Uhr ausgestrahlt. Darüber hinaus wird das Studio Aachen für alle ARD-Programme tätig, sobald es um aktuelle Berichterstattung aus dem Einzugsgebiet geht.

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Grenzübergang Köpfchen – Foto: Thomas Tepe

Von Aachen ging es wieder an die Grenze, und zwar an den Grenzübergang Köpfchen. Dieser liegt an der Verbindungsstraße von Aachen nach Eupen. Dort befanden sich einst die berühmten Stationen Radio Euro und Hitradio X direkt hinter der Grenze. Das Gebäude, aus dem Hitradio X sendete, aber auch der Container, aus dem Radio Euro auf Sendung war, steht noch heute.

Chet Reuter vor der einstigen Radio Euro Hütte – Foto: Thomas Kircher

Am ehemaligen Zollamt Köpfchen begrüßte uns der Geschichtshistoriker Michael Stein. Vor vielen Jahren zog er von Köln nach Kelmis in Belgien und ist mittlerweile ein profunder Kenner der Geschichte von Kelmis/Ostbelgien/Moresnet. Auf historischem Boden machten wir einen einstündigen Spaziergang entlang der Grenze zwischen Deutschland und Belgien. Michael wusste aus der lebhaften Geschichte der Grenzregion viele Anekdoten zu berichten. Der Ort ist eine Schnittstelle zwischen verschiedenen Sprachen und Kulturen.


Der Westwall mitten im privaten Grundstück – Foto: Thomas Tepe

An vielen Stellen sichtbar sind die Spuren des Westwalls. Ein Relikt der nationalsozialistischen Kriegspolitik, das in der Aachener Region an vielen Stellen als Landschaftsmarke erhalten ist. Zwischen 1936 und 1938 wurden mehr als 14.000 Bunker, Stollen und eine 76 Kilometer lange Höckerlinie zur Panzerabwehr errichtet. Die Höcker stehen heute zum Teil unter Denkmalschutz. Zum Ende der 1940er Jahre wurde der Grenzübergang Köpfchen eröffnet. Es war eine Zeit, in der geschmuggelt wurde und strenge Grenzkontrollen stattfanden. Mitte der 1960er Jahre arbeiteten im belgischen Zollamt Köpfchen 24 Zollbeamte im Schichtdienst. Bis zur Eröffnung des Autobahnzollamts Lichtenbusch in den 1960er Jahren war Köpfchen der wichtigste Straßenübergang zwischen Belgien und Deutschland. 1980 entfernte man die Schranken am Übergang. 1995 trat schließlich das Schengener Abkommen in Kraft und die Grenzanlagen wurden außer Dienst gestellt. 

Anschließend ging es zum Abschluss des ersten Tages in die Gaststätte „Manneken Frit“, direkt am ehemaligen Grenzübergang, auf belgischer Seite gelegen. Dort gibt es die besten belgischen Fritten der Region, selbstgeschnitten aus frischen Kartoffeln, dazu Gerichte wie Burger, Steaks etc.

Hier trafen wir uns mit Guido Harperscheidt, der seine Erinnerungen an eine spannende Radiozeit Revue passieren ließ:

 

Zum Radio bin ich durch einen „blöden“ Zufall gekommen. Und zwar hatte ich Roland Martin mitgenommen, da der eine Autopanne hatte. Roland arbeitete bei Radio Distel und lud mich zu einer Sitzung ein. Nachdem ich einige Male bei  dem alternativen Radio Distel reingehört hatte, merkte ich, dass dort keine deutschen Oldies gespielt wurden, und so schlug ich den Radiomachern vor, eine Oldie-Sendung zu produzieren. Das Ganze wurde mit wenig Begeisterung (wegen der DEUTSCHEN Oldies) aufgenommen. Doch meine Oldiethek wurde eine gern gehörte Sendung mit toller Resonanz der Hörer. Das müsste etwa 1980 gewesen sein. Nachdem mir die Inhalte und Ideologien von Radio Distel zu politisch wurden,  habe ich mich dann so ca. zwei Jahre später von Radio Distel verabschiedet.

 

Es muss etwa 1983 gewesen sein, als ich zusammen mit einem Bekannten auf die Idee kam, selbst einen Sender zu gründen. Wir bauten uns einen UKW-Sender, mieteten ein kleines Häuschen, Antenne aufs Dach und dann ging es los. Kein Geld, keine Genehmigung und dann kamen auch schon die Probleme.

Egal, wir hatten den Willen solange weiterzumachen, bis die RTT uns schließt. Unsere Hartnäckigkeit wurde belohnt, denn nach einiger Zeit hatten wir die notwendigen Vorgaben erfüllt und bekamen tatsächlich eine Frequenz für unser Lokalradio Kettenis.  Als uns der Vermieter dann das Häuschen kündigte, sind wir in den Ketteniser Hof (Kneipe mit Saal) gezogen.


Gäste bei Radio Euro – Mitte Guido Harperscheidt  (Foto: G. Harperscheidt)

Als der dann seine Türen schloss, sind wir nach Hauset ins Hotel zur Grenze, was mein Elternhaus war, gezogen und änderten den Namen in Radio Euro. Da lief es dann richtig gut, wir hatten teilweise über 50 freie Mitarbeiter, die ein tolles Programm machten. Kein Wunder bei Leuten wie z.B. Johnny Best (JB), Axel Costard, Bernd Brügemann, Frank Wallitzek, Volker Schommer und viele mehr.

 Früher die Heimat von Hitradio X – Foto: Thomas Kircher

Irgendwann kam dann Lutz Sonntag mit einigen Leuten, die meinten, den Sender groß machen zu wollen, und mit einigen fest angestellten Mitarbeitern und einer eigenen Werbefirma, um das Ganze  professionell  aufzuziehen. Wir wurden dann zu Hitradio X. Das Projekt hat auch funktioniert, jedoch leider nicht lange! Die Werbefirma ging insolvent und alles, was Sonntag und seine Kollegen investiert hatten, wurde beschlagnahmt. Das wäre wohl nicht passiert, wenn ich vor Ort gewesen wäre, jedoch war ich zu diesem Zeitpunkt im Urlaub, 1.000 Kilometer entfernt. Nach 10 Jahren war ich zu müde, als nochmal neu anzufangen. Deshalb habe ich den Sender dann auch geschlossen. Ich war Präsident aller dieser Sender, und meistens bis zu 10 Stunden pro Tag selbst vor Ort. Insgesamt war das eine tolle Zeit mit Höhen und Tiefen, die ich jedoch nie bereut habe.

Am zweiten Tag unserer Ostbelgien-Tour blieben wir in Eupen und starteten mit dem Besuch bei Radio Contact Ostbelgien NOW. Hier ist auch das „GrenzEcho“ untergebracht. Das GrenzEcho ist die einzige deutschsprachige Tageszeitung in Belgien. Man besitzt 5 Prozent Anteil am privaten Radiosender 100`5 Das Hitradio und 51 Prozent am Privatradio Contact Ostbelgien NOW. In den Räumlichkeiten „Am Marktplatz 8“ begrüßte uns Geschäftsführer André Frédéric Goebels, der seine erste Sendung im September 1981 bei Radio Benelux machte.

André Frédéric Goebels präsentiert uns den Werdegang von Radio Contact Ostbelgien NOW – Foto: Chris Moll

Auch Radio Contact ist ein geschichtsträchtiger Sender. Die Station ging bereits 1981 als Radio Hermann an den Start. Zu diesem Zeitpunkt war Radio Hermann in Raeren, unweit des Bahnhofs, beheimatet. Ein improvisiertes Studio auf dem Dachstuhl musste für die ersten Monate genügen. 1982 kam der Umzug nach Eupen und der Sender wurde, inspiriert durch den gleichnamigen „Kraftwerk“-Song, in Radio Aktivität umbenannt. Radio Aktivität entwickelte sich schnell zum größten Lokalradio der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Im Jahr 1985 zog man in die Aachener Straße 14, wo die Station fast 33 Jahre heimisch war. Schon früh hat man sich für den kommerziellen Weg entschieden. So wurden 1987 bei Contact die ersten „richtigen“ Werbespots in Ostbelgien ausgestrahlt. In Zusammenarbeit mit dem GrenzEcho starteten schon 1986 Lokalnachrichten, die schnell durch Weltnachrichten ergänzt wurden. Nachdem sich die Radiolandschaft auch in Ostbelgien Anfang der 1990er Jahre rasant entwickelte, entschied sich Radio Aktivität dafür, einen starken Partner zu suchen. So wurde aus Radio Aktivität im November 1995 Radio Contact Eupen. Vollkommen eigenständig wird seitdem das deutschsprachige Programm des größten belgischen Privatsenders produziert. Im Jahr 2001 wurde der VOE (Eingetragener Verein) aufgelöst und die Aktiengesellschaft Cobel D (Contact Belgien Deutschsprachig) gegründet. 2003 kam die Eifel-Frequenz 98,0 MHz vom Signal de Botrange hinzu. 2017 wird das GrenzEcho Mehrheitsaktionär und der Sender wird im Mai 2017 in Radio Contact Ostbelgien NOW unbenannt.


Radio Contact Ostbelgien NOW-Studio – Foto: Chris Moll

Gesendet wird für den Norden Ostbelgiens auf 107,0 MHz (Henri-Chapelle) mit 1 KW und den Süden der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf 98,0 MHz (Signal de Botrange) mit 2 KW. Damit ist Radio Contact Ostbelgien NOW problemlos zwischen Lüttich und Aachen/Stolberg, St. Vith bis ins niederländische Maastricht zu empfangen.

Geschäftsführer André Frédéric Goebels am 23.07.1965 in Eupen geboren, erzählt uns mit Freude über seinen Werdegang:

Dank der Eltern (Mutter Niederländerin, Vater Belgier), wuchs er von Kindesbeinen in die Euregio hinein. Seit 1978 ist André Frédéric radiointeressiert. Vor allem war er vom damaligen Hilversum 3 begeistert. 1980 startete er seine DJ-Karriere zunächst auf privaten Feten. Bis Ende der 1980er füllte André dann kleinere und größere Hallen in Ostbelgien und darüber hinaus. Im Sommer 1981 erfuhr André von einem BRF-Moderator, dass es auf Baraque Michel einen Piratensender gibt. Er bewirbt sich und ist ab September `81 mit seiner ersten, einstündigen Sendung „BNL Aktuell“ on air. Bis Mai 1984 dauerte die Zeit bei Radio Benelux, dann verlies André nach Querelen mit der neuen Sendeleitung die Station. Bereits vorher hatte er Kontakte zu Roger Brasseur von Radio Aktivität in Eupen geknüpft und begann nach einer „kreativen Pause“ im August 1984 bei Radio Aktivität. Dort war er maßgeblich für die Professionalisierung des Senders verantwortlich. 1994 entschied man sich dafür, einen Partner zu suchen, der den Sender weiterbringen kann. Man fand ihn 1995 in Radio Contact. Im November des gleichen Jahres wurde der Sender dann zu Radio Contact. In den folgenden Jahren arbeitete André zusammen mit seinem Freund und Kollegen Roger Brasseur an einer weiteren Professionalisierung des Senders, mit dem Ziel der Gründung einer Aktiengesellschaft Cobel D. Dies wurde Ende 2000 verwirklicht. Seit 2007 war André alleiniger Geschäftsführer der Cobel D A.G.

Nach dem Beginn der Zusammenarbeit mit dem GrenzEcho teilt sich André die Geschäftsführertätigkeit mit dem Direktor des GrenzEcho, Olivier Verdin.

André Frédéric Goebels – Foto: Thomas Tepe

Neben seiner Tätigkeit als Radiomoderator und Journalist moderiert André regelmäßig Liveveranstaltungen zu unterschiedlichen, meist aber politischen oder bildungspolitischen Themen. Er ist zudem Sänger (verschiedene Bands, zurzeit aber keine) und Schauspieler (Fernsehen). André ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt nach wie vor in Eupen.


Radio Contact Ostbelgien NOW und das GrenzEcho am Marktplatz in Eupen – Bildmitte André Frédéric Goebels – Foto: Thomas Kircher

 

Nach Radio Contact Ostbelgien NOW ging es zum Belgischen Rundfunk (BRF), der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt der Deutschsprachigen Gemeinschaft. In dem beeindruckenden Gebäude am Kehrweg 11 oberhalb von Eupen ist auch der Privatsender „100,5 – das Hitradio“ untergebracht. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Parlament. Toni Wimmer, Direktor des BRF, lies es sich nicht nehmen, unsere Gruppe persönlich durch den Belgischen Rundfunk zu führen.

  - Foto: Thomas Kircher

60 feste Mitarbeiter vor Ort und zahlreiche Korrespondenten erstellen ein vielseitiges Informations- und Unterhaltungsprogramm. Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport, Musik und Unterhaltung — insgesamt 6.000 Stunden Radioprogramm im Jahr. Seit 1993 bietet der BRF auch Regionalfernsehen an.

Der BRF unterhält drei Studios: Die Hauptredaktion in Eupen stellt täglich 15 nationale und internationale Nachrichtendienste und zwei Magazinsendungen mit euregionalen und internationalen Kernthemen zusammen. Die Inland-Redaktion in Brüssel beliefert das Eupener Studio mit aktuellen inländischen und europäischen Informationen. Schließlich berichtet das Regionalstudio St. Vith über die belgische und deutsche Eifel sowie über das angrenzende Großherzogtum Luxemburg.

Der Belgische Rundfunk kann auf eine langjährige Geschichte zurückblicken: So ging am 1. Oktober 1945 die erste Sendung über Mittelwelle von Brüssel aus in den Äther. 1964 wurde daraus der Belgische Hör- und Fernsehfunk (BHF). 1977 erfolgte die Umbenennung in BRF (Belgisches Rundfunk- und Fernsehzentrum für deutschsprachige Sendungen). 1979 zog die Redaktion von Brüssel nach Eupen um. 1995 wurde das Funkhaus am Eupener Kehrweg eingeweiht. Mit zunehmender Institutionalisierung ging der Programmausbau einher: 1983 wurde das Ganztagsprogramm eingeführt und das Studio St. Vith gegründet. 1993 beginnt  der BRF mit wöchentlichen TV-Sendungen, ab 1999 gibt es ein tägliches Fernsehmagazin. 2012 wird das Fernsehangebot durch Beiträge von Via Euregio erweitert.
Im Jahr 2001 werden die Hörfunkwellen BRF1 (Pop, Rock) und BRF2 (Schlager, Volksmusik) getrennt und das gemeinsame Programm Deutschlandfunk-BRF in Brüssel auf der UKW-Frequenz 95,2 MHz geschaffen. 2004 erfolgt die Einrichtung der Online-Redaktion.  

2016 stand ganz im Zeichen der umfangreichen Umstrukturierung, die auf Organisationsanalysen von Capgemini und SwissMediaPartners basierte. Vom Programm über die Entscheidungsstrukturen und die Arbeitsabläufe bis hin zu Technik gab es eine Vielzahl von Maßnahmen, die eingeleitet wurden. Im Januar wurde ein TV-Konzept verabschiedet, im April die Musikrotation erneuert, im November die neue Musiksendung BPM eingeführt.

Für 2017 sprach BRF-Direktor Toni Wimmer von der Dynamik des Wandels, die auch die Medienlandschaft in Ostbelgien verändert. Dabei stand auch für den BRF Qualitätsjournalismus im Vordergrund. Es erfolgte ab August eine Aufwertung des BRF1-Hörfunkprogramms durch die Einstellung eines Frühredakteurs. Der zentrale Redaktionsraum wurde vergrößert. Im Fernsehbereich wurde die Einrichtung eines neuen Studios mit der Erneuerung der TV-Endregie in Angriff genommen. Die Hörer, Zuschauer und Leser der BRF-Produkte honorierten die sorgsamen Produktoptimierungen. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „Forsa“ bescheinigte dem BRF im März weiterhin die unangefochtene Marktführerschaft in Ostbelgien und einen weiteren Zuwachs der Zuhörerschaft. Die Tagesreichweite von BRF1 lag bei 32 Prozent und von BRF2 bei 21 Prozent. 91 Prozent der Befragten bewerteten die Berichterstattung als ausgewogen. 71 Prozent empfanden das Musikprogramm nach der Umstellung gut und sehr gut. Seit September 2018 kommt die Fernsehsendung aus dem neuen Studio.

Das Foyer im BRF-Funkhaus am Kehrweg hat sich zu einem der Mittelpunkte des kulturellen Lebens in der Deutschsprachigen Gemeinschaft entwickelt.

„Der Belgische Rundfunk feiert am 1. Oktober 2020 seinen 75. Geburtstag. Dieses Jubiläum wird mit diversen Veranstaltungen gefeiert“, erzählt uns Tomi Wimmer voller Vorfreude.

Markanter Standort: BRF-Antenne am Flutlichtmasten im Kehrwegstadion (KAS Eupen) – Foto: Thomas Tepe

BRF1 – Empfangsmöglichkeiten

UKW FM

Senderstandort

Empfangsgebiet

88,5 MHz

Lüttich

Provinz Lüttich, Süd Limburg, Aachen, Jülich, Eschweiler, Weisweiler

88,8 MHz

Bernister

Malmedy

89,0 MHz

Lontzen

Lontzen, Welkenraedt

92,2 MHz

Auel

Ourtal, Reuland

93,4 MHz

Recht

Recht

94,9 MHz

Eupen

Eupen

94,9 MHz

Amel

Süden der DG

95,2 MHz BRF/DLF

Brussegem

Brüssel

97,7 MHz

Namur

Namur

 

DAB+

Senderstandort

Empfangsgebiet

Block 6B – 6C -6D

 

Wallonie, Brüssel

BRF2 – Empfangsmöglichkeiten

UKW FM

Senderstandort

Empfangsgebiet

91,0 MHz

Rocourt

Stadt Lüttich

93,2 MHz

Lontzen

Lontzen, Kelmis, Raeren

97,6MHz

Bernister

Malmedy

98,4 MHz

Eupen

Norden der DG

104,1 MHz

Amel

Süden der DG

105,9 MHz

Raeren

Raeren

DAB+

Senderstandort

Empfangsgebiet

Block 6B – 6C -6D

 

Wallonie, Brüssel

BRF Fernsehen – Empfangsmöglichkeiten

DVB-T

Senderstandort

Empfangsgebiet

Kanal 45 : RTBF Multiplex – Euronews (18:45 und 21:45)

Lüttich

Provinz Lüttich

 

Video On Demand

 

BRF Webseite **

http://brftv.be oder https://m.brf.be

Quellen: http://www.ostbelgienlive.be/Desktopdefault.aspx/tabid-220/217_read-1020/

https://u.brf.be/profil/geschichte/

 

 100`5 – das Hitradio-Studio – Foto: Thomas Tepe

1998 ging ein zusätzliches - privates - Hörfunkprogramm „100’5 - das Hitradio" auf Sendung. Damit handelt es sich um ein absolutes Novum. Der Privatsender ist ebenfalls im BRF-Funkhaus untergebracht. Zu den Gesellschaftern dieses deutschsprachigen Privatsenders gehören die PROMA AG, Radio SALÜ, der Pressefunk Düsseldorf, der Zeitungsverlag Aachen und das GrenzEcho. Gesendet wird über den Standort Raeren-Petergensfeld auf der Frequenz 100,5 MHz für das westliche Nordrhein-Westfalen und die Euregio. Zusätzlich ist 100`5 via Bütgenbach (94,4 MHz), Honsfeld (107,6 MHz) und St. Vith (104,8 MHz) hörbar.

Die technische Reichweite beträgt 1.100.000 deutschsprachige Personen.

Danach entführte uns Vitus Sproten in die Geschichte Ostbelgiens und natürlich, ganz speziell, in die Entwicklung der Medien. Vitus beschäftigte sich im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Universität Luxemburg mit den aufkommenden freien Radiostationen in Belgien. Wir hätten für diesen zweistündigen Vortrag keinen besseren Experten finden können. Unter anderem ging es in den Ausführungen um diese Themen:

  • Ostbelgien zwischen WERAG und belgischem Staatsradio
  • Einrichtung einer deutschsprachigen Rundfunkvereinigung Belgiens (Anfang 1930er Jahre) auf privater Welle
  • 1945: Einrichtung der „Belgischen Sendungen in deutscher Sprache“ (öffentlich-rechtlich) und deren Geschichte bis ca. 1980
  • Aufkommen der Privatsender in Belgien ab Ende der 1970er Jahre

Die ersten Radio-Experimente fanden zwischen 1913-1914 in Brüssel statt. Im Jahr 1923 startete „Radio-Belgique“. Der Sender finanziert sich über Werbung. Da der Staat schnell erkennt, dass Radio-Belgique erfolgreich angenommen wird, errichtet er das Frequenzmonopol und verteilt Frequenzen. Innerhalb der DG werden 1935 erste Sendungen durch die Deutschsprachige Rundfunkvereinigung Belgiens ausgestrahlt und finden viel Anklang.

Während des Zweiten Weltkriegs gibt es aus Frankreich und London Sendungen für Belgien. Das Staatsradio wird während des Zweiten Weltkriegs der Gruppe „Rundfunk der Propaganda-Abteilung“ unterstellt und in „Radio-Bruxelles / Zender-Brussel“ umbenannt. Ab dem 23. September 1944 strahlt die INR (Nationale Rundfunk-Institut) wieder Programme in Belgien aus. Ab 1945 wird die „Emissions en langue allemande“ (Sendungen in deutscher Sprache) für deutschsprachige Belgier ausgestrahlt. Der INR bleibt allerdings ein offizieller Sender mit starkem Regierungseinfluss. Im Jahre 1960 schließlich folgt eine große Rundfunk-Reform. Ab sofort erhalten flämische- und französischsprachige Sender mehr Freiheiten. Auch der Sender „deutscher Sprache“ erhält mehr Geld und wird fortan in Belgischer Hörfunk umbenannt.

Ab 1965 werden die Sendungen in deutscher Sprache nach und nach erweitert. Man erkennt, wie wichtig die drei Kulturgemeinschaften Belgiens für das Land sind. Es existieren jedoch weiterhin zahlreiche Probleme, speziell im Gebiet deutscher Sprache, die nicht gelöst werden. Insbesondere der Belgische Rundfunk spricht diese an. Im Jahre 1977 werden die gemeinsamen Strukturen des deutschsprachigen, flämischen und französischsprachigen Senders aufgelöst. Daraus resultierend wird der Belgische Rundfunk 1977 zu einer eigenen, autonomen öffentlich-rechtlichen Senderanstalt mit Sitz in Eupen.

Wie kam das Freie Radio nach Belgien?

Freie Radio-Bewegungen existieren in den Niederlanden und Italien bereits seit Mitte der 1970er Jahre. Ausschlaggebend war die lange Tradition der Offshore-Stationen, studentischer Radios (68er) und Sender von technisch Interessierten. Das erste belgische freie Radio war Radio Eau Noire (1978) an der Grenze zu Frankreich. Man setzte sich gegen den Bau einer Staumauer und für die Umwelt ein. Es folgten in Belgien Stationen wie Radio Amis de la Terre. Man kann rückblickend diese Sender als Studenten- und Protestradios bezeichnen. Anfang der 1980er gab es auch im Lütticher Raum und um Verviers (Osten Belgiens) freies Radio. Ab 7.7.1981 werden die Sender im französischsprachigen Landesteil Belgiens legalisiert. Die Sendeleistung ist auf 100 Watt begrenzt. Bereits Anfang der 1980er entstehen neben den politischen Radios auch immer mehr Hobby- und Hitparaden-Sender. Viele Inhalte, die im öffentlich-rechtlichen Radio keinen Platz fanden, machten die freien Stationen beliebt.

Ganz im Osten Belgiens kamen die freien Radiosender im Vergleich zum Rest des Landes eher spät an. Doch dafür ging es in Ostbelgien dann ab 1981/1982 recht intensiv und mit großer Vielfalt los. Nach der Recherche von Vitus war der Ostbelgische Rundfunk 1980 mit einigen Testsendungen der erste deutschsprachige Privatsender in der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Radio Distel war ab 1981 der erste konstante Radiosender auf dem Gebiet der DG in Belgien.

Es wird eine Kommission für die freien Lokalsender gegründet, die den Anerkennungsprozess begleiten soll. Die Radiolandschaft Ostbelgiens ist relativ schnell ähnlich wie im französischsprachigen Landesteil :

  • Lokalsender mit Heimatmusik (Radio Herrmann, Radio Metropole etc.)
  • Hitparaden-Sender, um so viele Menschen wie möglich zu erreichen
  • Politische Sender (Radio Distel, Radio Aktivität, Radio Kaktus)

Der deutschsprachige Landesteil und die naheliegenden Gebiete ziehen besonders viele deutsche Radiomacher an. Ab 1984 wird schließlich Werbung erlaubt. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre verliert die freie Radio Bewegung an Fahrt. Wie in Italien und Frankreich setzt eine radikale Kommerzialisierung ein und Verdrängungsprozesse finden statt. Das Fernsehen wird zum neuen Leitmedium. Radio Aktivität wird zu Radio Contact (Brüssel Netzwerk), NRJ weitet sich nach und nach auf ganz Belgien aus, RTL organisiert die Werbeeinnahmen. Der Markt wurde immer stärker durch den Staat reguliert (Hürden für die Anerkennung höher), auch durch die SABAM (GEMA).

So erhielten wir einen komplexen Überblick über die Entstehung, den Werdegang, bishin zur aktuellen Radioszene in der Region.

Vitus Sproten hielt einen spannenden Vortrag zum Werdegang des Rundfunks in Ostbelgien – Foto: Thomas Tepe

Abends kehrten wir im Eupener „Ratskeller“ ein. Für das leibliche Wohl sorgte die hervorragende belgische Küche und eine Auswahl an Starkbieren, die sich in Belgien großer Beliebtheit erfreuen.

Benoit Gauder auf Sendung – Foto: Thomas Kircher

Am dritten Tag unserer Ostbelgien Tour ging es zu Radio Sunshine 97,5 in Lontzen. Hier begrüßte uns Benoit Gauder, Geschäftsführer und Gründer des Senders. Die Station ist im Wohnhaus des sympathischen Benoit untergebracht. Der beeindruckende Sendemast steht im Garten. Radio Sunshine bietet ein gemischtes Programm mit dem Schwerpunkt Volks- und Schlagermusik. Von diesem Genre gibt es in Ostbelgien eine große Fan- und Zielgruppe. Bevor Benoit Gauder zu RS gekommen ist, war er selbst bei einigen anderen Radiostationen tätig. Er hat in den 1980ern bei „Radio Metropole“  angefangen und wechselte danach zu „Studio Kelmis“. Eines Tages kam er zusammen mit einem ehemaligen Kollegen auf die Idee, selbst einen Lizenzantrag zu stellen. Ziel war es, Folklore und Heimat ins Radio zu bringen. „Wir wollten Ostbelgien endlich mit deutschsprachiger Musik und Informationen von hier versorgen“ erinnert sich der heutige Geschäftsführer. Im Mai 1997 bekam man für die UKW-Frequenz 97,5 MHz eine Lizenz, welche jedoch aus fadenscheinigen Gründen immer wieder angezweifelt wurde. Dies führte letztendlich dazu, dass Radio Sunshine die Sendetätigkeit auf UKW am 14.12.2012 um 11.00 Uhr einstellen musste. „Nach zweijähriger Gerichtsprozedur haben wir ein Urteil zu unseren Gunsten bekommen, so dass der gleiche Antrag neu diskutiert und schließlich anerkannt wurde. In der Zwischenzeit sendeten wir 24 unendlich lange Monate als reines Webradio. Dank unserer treuen Hörer und Sponsoren, aber auch dank des langen Atems des Teams, standen wir diese harte Zeit durch“, erzählt Benoit Gauder stolz. „Das Schlimme während der Gerichtsprozedur war ja, dass wir bis kurz vor der erneuten Lizenzuteilung nicht wussten, ob wir letztendlich Erfolg haben werden. Und mit jeder neuen Verhandlung, mit jedem neuen Schreiben der Anwälte, kostete der Prozess mehr Geld. Ich habe in meinem Radioleben so manche schöne Erinnerung und Zeit gehabt, doch für mich war der allerschönste Augenblick, als wir am 10.11.2014 aus Brüssel die Nachricht bekamen, dass wir den Prozess gewonnen haben“, lacht Benoit. Der bodenständige Sender legt Wert auf Hörerbindung dank Liveveranstaltungen und Gewinn-Aktionen, wie z.B. den „Reise-Koffer“. Doch es geht auch politisch. So hat Radio Sunshine z.B.  im Vorfeld der Kommunalwahlen ausführliche Sendungen gebracht, in denen örtlichen Parteivertretern die Fragen der Hörer gestellt wurden.

Radio Sunshine in Lontzen – Foto: Thomas Kircher

Herzstück von Radio Sunshine – Foto: Thomas Kircher

Benoit Gauder ist selbst in diversen Sendungen am Mikrofon. Während unseres Besuches ging er spontan on air, mit einem Studiogast aus Süd-Limburg/NL, mit dem sich Benoit im grenzüberschreitenden Dialekt unterhielt.

 Die ersten Moderatoren bei Radio Sunshine. Das Bild stammt von der ersten RS-Veranstaltung zu der Hörer in die Hubertushalle Lontzen eingeladen waren. Der Bericht ist in der Tageszeitung GrenzEcho erschienen (Foto: Benoit Gauder)

 

Anschließend legten wir einen kurzen Abstecher in dem auf einem Hochplateau gelegenen Ort Henri-Chapelle bei Welkenraedt ein. Von dort aus sendete einst das im Aachener Raum bekannte „Henri Radio“. Stimmen wie Chet Reuter oder Wolfgang Jörissen gehören ebenfalls zu den Ostbelgien-Legenden. In Welkenraedt gab es damals auch Radio Oldyshop, einer der berüchtigten „Küchensender“ mit volkstümlicher Musik und Hörergrüßen. Heute werden dort keine Sendungen mehr gemacht. Henri-Chapelle ist jedoch aufgrund der funktechnisch günstigen Lage Sender-Standort für diverse Stationen. Sowohl das Programm von Radio Contact Ostbelgien NOW auf 107.0 MHz, als auch die französischsprachigen Programme von Radio Contact (104.9 MHz) und Maximum FM (107.3MHz) werden über eine auf dem weithin sichtbaren Wasserturm installierten Sendeantenne ausgestrahlt. 

Senderstandort „Wasserturm“ Henri-Chapelle – Foto: Thomas Kircher

Weiter ging es zu Radio FANTASY Dance FM 96,7 Petergensfeld 78, 4730 Raeren. Leider erhielten wir auf unsere Anfrage zum Studiobesuch einen Korb. Als Begründung wurde angegeben, dass man bei Radio Fantasy in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Besuchern hatte und es deshalb keine Führungen mehr gibt. Besonders schade, da der Geschäftsführer Udo Menke, einst unter dem Namen „Mikel Henry“ einer der besten DJs des legendären Radio Benelux war. Doch im Nachhinein waren die verschlossenen Türen vermutlich bereits ein Vorzeichen auf das, was Anfang Oktober 2019 über den „Aachener Presse Bezirksverein“ zu lesen war:

Aus für "Radio Fantasy"
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Wir erhielten folgende Mitteilung:
"Aufgrund der Tatsache, dass der Medienrat Ostbelgien eine Neukoordinierung der Radiofrequenzen vorgenommen hat, ist die Wirtschaftlichkeit des Senders nicht mehr gegeben. Der Medienrat teilte mit, dass die Europa-Richtlinie eine möglichst effiziente Nutzung der Frequenzen vorschreibt.

Die daraus resultierende Zuteilung einer gänzlich unzufriedenen Ersatzfrequenz ist das Ergebnis. Der Auftrag, auch im europäischen Sinne, regionsüberschreitende Information und Ausbildungsplätze zu vermitteln, kann somit nicht mehr erfüllt werden.

Deshalb möchten ich jetzt schon mitteilen, dass nach nahezu 35 Jahren das Projekt "Radio Fantasy" in Kürze nicht mehr existieren wird. Ich bedaure es ausserordentlich, dass der Medienrat Ostbelgien die Anweisung der EU so krass in die Tat umgesetzt und keinerlei auf die Werte unserer Region Rücksicht genommen hat.

Ich möchte mich für die jahrelange, hervorragende Zusammenarbeit mit Ihnen herzlich bedanken und hoffe, dass zukünftige, politische Entscheidungen nicht zu Ungunsten der Jugend getätigt werden".
Mit freundlichem Gruss
Udo Menke

 Radio Fantasy in Raeren – Fotos: Thomas Kircher

Umso mehr haben wir uns gefreut, dass Margit Thissen kurzfristig unsere Gruppe beehrte. Margit war zum Start im Fantasy-Team.  „Einerseits war wohl die Enttäuschung zu groß, den Sender auf eine (aus meiner/unserer Sicht) falsche Spur abbiegen zu sehen, andererseits bot das private und berufliche Leben zudem kaum mehr Spielraum für anderweitige Aktivitäten“, erinnert sich Margit, die heutzutage nichts mehr mit der Radioszene verbindet. „Es waren so viele andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Erfolg des Senders beteiligt - da spiele ich eher die kleinste Rolle“, sagt Margit bescheiden.

Margit Thissen über die Anfänge von Radio Fantasy – Foto: Thomas Kircher

Sie kümmerte sich in der Entstehungszeit von Fantasy hauptsächlich um den Papierkram, nicht zuletzt um die Anträge, bis zum Erhalt der Sendelizenz. Radio Fantasy Raeren (RFR) wurde 1984 gegründet und startete im Januar 1985, damals auf der Frequenz 105,90 MHz. Der Sender war praktisch die Fortsetzung des Radiopioniers Benelux.

„Mit Jörg Lenzen und Dieter Obers war ich einige Zeit mit Interviewgerät zu den lokalen Veranstaltungen wie Gemeinderatssitzungen und Aktivitäten verschiedener Vereine unterwegs, um durch lokale Berichterstattung die Sendelizenz für Radio Fantasy zu erhalten und zu sichern.“ Mit einigen Anekdoten erinnert sie sich gerne an die Erlebnisse mit den Team-Kollegen zurück. Dazu gehörten u.a. Alf Enders, Udo Menke, Günter Radermacher, Edgar Heckmanns, Angelika Fassbänder, um nur einige zu nennen.

Das heutige FANTASY Dance FM ging aus dem Sender RFR hervor. Folgende Informationen zum Dance-Programm, der Homepage entnommen:

FANTASY Dance FM 96,7 ist mit seinem Programm einzigartig in Ostbelgien, aber auch im benachbarten NRW und Süd-Limburg. Das Programm besteht ausschließlich aus neuen, progressiven Hitsounds aus dem Bereich Dance, House und Black Music: den angesagtesten Musikrichtungen der jungen Generation. Die FANTASY- Zielgruppe ist im Kern zwischen 15 und 30 Jahren alt. Das Kernsendegebiet sind die Großräume „Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens“, Aachen, Düren und Heinsberg.

Trotz verschlossenen Fantasy-Studios konnten wir immerhin den unweit des Studios an exponierter Stelle platzierten Sendemast bewundern, den der BRF von der Deutschen Telekom-Tochter T-Systems errichten ließ.

Wenige Meter nach der Deutschen Grenze: Sender Raeren-Petergensfeld – Foto: Chris Moll

Von dort sendet mit 20kW 100`5 Das Hitradio und ist somit in weiten Teilen des westlichen NRW zu empfangen. Dank dieses Standorts ist der 100`5-Empfang auch in großen Teilen der belgischen Provinz Lüttich bis weit nach belgisch und niederländisch Limburg, zum Teil bis in den Raum Eindhoven möglich. Die Gemeinde Raeren willigte damals der Baugenehmigung nur ein, wenn auch Radio Fantasy von dort senden konnte. Deshalb sind auch die Antennen des Lokalsenders an dem Stahlgittermast montiert und die Signale von Radio Fantasy weit nach NRW und in die Niederlande hinein empfangbar. Man erfreut sich dort großer Beliebtheit. Auch das Schlagerprogramm BRF2 sendet von hier mit 100 Watt auf der Frequenz 105.9 MHz, offiziell zur Füllung einer Versorgungslücke im Talkessel von Raeren. Der Overspill macht es freilich möglich, dass auch im Aachener Raum Freunde des deutschen Schlagers eine Alternative im UKW-Band haben.

Radio 700 in Elsenborn – Foto: Chris Moll

Weiter ging es auf unserer Tour quer durch die Nordeifel am Fachwerkstädtchen Monschau vorbei ins 600m hoch gelegene Elsenborn, wo uns im Studio von Radio 700, das in einer ehemaligen Bankfiliale beheimatet ist, Bernd Blees begrüßte.

Bernd Blees mit zwei Nachwuchsmoderatoren, seinen Kindern smile- Foto: Thomas Tepe

Radio 700-Studio – Foto: Thomas Tepe

Radio 700 startete 2002 zur 700-Jahr-Feier der Stadt Euskirchen. Am 15.11.2009 um 11:00 Uhr ging das Radio 700-Citystudio St. Vith auf 101,70 MHz auf Sendung. Man ging aus dem beliebten OK Radio hervor. Am 22.12.2009 startete Radio 700 dann das Studio Elsenborn auf 90,10 MHz. Man verlegte den Sitz des Senders von Euskirchen nach Ostbelgien. Am 8.7.2013 folgte die Aufschaltung der Frequenz 101,20 MHz vom Standort Eupen. Zwischenzeitlich hat die Station ein imposantes Sendegebiet: In der belgischen und deutschen Eifel, in Nord-Luxemburg und in Teilen der Wallonie, bis nach Rheinland-Pfalz ist Radio 700 zu empfangen.

Bernd Blees erinnert sich für uns an die Anfänge, wie er zum Radio kam: „In meinem Ort gab es eine Fete und dort legte ein ehemaliger Radiokollege auf. Da ich selber Musik liebe und gerne singe, ging ich zum DJ und wünschte mir was, griff dann auch ans Mikro und sang mit... daraufhin lud mich der Kollege ins Studio von Radio Contact Eifel ein. Dort habe ich mir alles angesehen und nach einer halben Stunde „Einlernphase“, ließ mich der besagte Bekannte allein im Studio. Der war tatsächlich spurlos verschwunden. Hatte ich eine Panik! Was blieb mir anderes übrig, ich hab Musik aufgelegt, doch traute ich mich kein Wort zu sagen. Nach etwa 20 Minuten kam der „Kollege“ zurück und sagte, die Musik sei gut gewesen“, lacht Bernd. Und so kam es, dass ich ab 1997 regelmäßig bei Radio Contact Eifel zu hören war, da ich auch das Sprechen ins Mikro gelernt habe J“ schmunzelt Bernd Blees. Damals war er gerade 15 Jahre jung. Radio Contact Eifel ging aus dem legendären Radio International Elsenborn hervor. Ab 2000 war Bernd Blees bei Radio OK Sankt Vith (vorher Radio Hermann). Ende 2008 wurde dann eine Zusammenarbeit mit Radio 700 begonnen und seitdem ist er in Elsenborn, einem der Geburtsorte des regionalen Lokalradios. Bernd ist als Präsident und Moderator bei Radio 700 tätig. Der Sender ist ein Verein und damit Hobby für das komplette Team. Bernd Blees ist „im normalen Leben“ als gelernter Kfz-Mechatroniker tätig, außerdem regelmäßig als DJ unterwegs und einmal wöchentlich ist er selbständiger Radio-/Mediaberater.

Für ihn ist Radio ein Medium, welches Menschen verbindet. „Und wir haben viele tolle Menschen vor den Lautsprechern sitzen, die man irgendwann kennenlernt. Es ist unbeschreiblich gut, diese Resonanz zu spüren“, verrät uns Bernd Blees. Dabei denkt er mit strahlenden Augen an die vielen Aktionen zurück, die er begleitet hat. „Sei es früher das „Alive-Festival“ mit Interviews vieler Stars oder auch Spendenaktionen, womit wir den einen oder anderen glücklich machen konnten.“

Einer der bekanntesten Radio 700 Elsenborn-Moderatoren ist übrigens der bekannte DXer Hans Werner Lange. Der in der Radioszene bekannte Christian Milling übernimmt die Technische Leitung und ist Producer der Station.

Radio 700-Sender-Standort Elsenborn-Herzebösch – Foto: Thomas Kircher

Das Programm wird über die UKW-Sender Elsenborn 90,1 MHz (1 kW), Steffenshausen 101,7 MHz (2 kW) und Eupen auf 101,2 MHz (5 kW) übertragen. Voller Stolz präsentierte uns Bernd Blees zum Abschluss des Besuches den am Sportplatz Elsenborn-Herzebösch gelegenen Sender.

Weiter ging es für unsere Gruppe zur Peak Beer-Brauereibesichtigung mit Degustation. In der einstündigen Führung sahen wir hinter die Kulissen der Produktion des Belgium Peak. Die Anlagen und den kompletten Ablauf von der Malzzerkleinerung bis hin zur Flaschenabfüllung erläuterte uns der Braumeister persönlich. Die Brauerei liegt am höchsten Punkt Belgiens, in unmittelbarer Nähe zum Signal de Botrange und zur Baraque Michel.

Peak Beer-Brauerei – Foto: Thomas Kircher

Und das war auch unser nächstes Stichwort. Wir fuhren an der legendären Baraque Michel vorbei, um dort natürlich einen kurzen Zwischenstopp einzulegen. Bei strahlend blauem Himmel an der Geburtsstätte von Radio Benelux und so manch anderem Projekt zu stehen, war ein besonderer Augenblick. Wir sollten am nächsten Tag noch einmal zur Baraque Michel kommen. Dramaturgisch hätte man die Ostbelgien-Tour nicht besser planen können. Den Abschluss unserer Rundreise an dem Ort, von dem einst der wohl bekannteste deutschsprachige Sender Ostbelgiens begann. Natürlich hatten wir zu diesem Finale die Radiolegenden Helmut Peters, Chet Reuter, Stefan Kramer, Mr. Crocodile, Chris Moll und andere bekannte Köpfe eingeladen. Über diese Zeitzeugen wird in Teil 2 der FMK-Ostbelgien-Tour berichtet.

Baraque Michel – frühere Heimat von Radio Benelux und Real FM – Foto: Thomas Kircher

 

Autoren:        Thomas Kircher und Peter Schwarz www.fmkompakt.de

Mitarbeit:      Jörn Krieger  www.newsinfo.de

 

 

 

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