FMK-Radiotag Stuttgarter Fernsehturm

 

Am 08. April 2017 fand das erste FM Kompakt Treffen in diesem Jahr statt. Bereits Anfang Januar besuchte ich zusammen mit Ralf Zech und Andreas Knedlik von http://digiandi.de den SWR-Cheftechniker Matthias Buck, der nicht ohne Grund den Spitznamen „Mr. Fernsehturm“ trägt. Er ist seit 30 Jahren am Turm tätig. Extra für unsere Gruppe von 25 Teilnehmern schenkte er uns an einem Samstag seine Freizeit, um die Geschichte und den Werdegang des Stuttgarter Wahrzeichens zu erzählen. Für die Turmbesichtigung waren Teilnehmer aus Tirol, der Schweiz, Südtirol und aus verschiedenen Regionen Deutschlands angereist. Unter anderem kamen FMK-Freunde aus Bayern, Frankfurt, Mainz und Dresden.

 

Bei strahlendem Sonnenschein: Begrüßung auf dem SWR-Gelände von Cheftechniker Matthias Buck – mit Freude und Herzblut erzählt er die Geschichte des Stuttgarter Fernsehturms

Der weltweit erste Fernsehturm steht in Stuttgart. Seit über 60 Jahren trotzt der 217 Meter hohe Turm Wind und Wetter. Dass der erste Turm mit einer Stahl-Betonkonstruktion tatsächlich halten würde, hatten zu Baubeginn nicht alle Stuttgarter geglaubt.

In Stuttgart fehlte ein Fernsehsender. Nur in den Höhenlagen oder mithilfe von Spezialantennen war ein mittelmäßiger Empfang möglich. Als die Krönung der englischen Königin Elisabeth II. im Juni 1953 im Fernsehen ausgestrahlt wurde, hatten die Stuttgarter keine Freude an der Sendung. Weitere unzufriedene Kunden waren zu befürchten, wenn ein Jahr später die Fußballweltmeisterschaft in der Schweiz beginnen wird. Auch die Händler beklagten sich, weil ohne Sender sich die Fernsehgeräte nicht verkaufen ließen. Die Geräte waren inzwischen billiger geworden und das Interesse stieg.

Zur Fußballweltmeisterschaft 1954 wurde der Turm jedoch nicht fertig. Am 29. Oktober 1955, also noch vor der Einweihung des Turms, konnte der SDR den Fernsehsender in Betrieb nehmen. Der Sendeempfang im Großraum Stuttgart war nun gesichert.

Ursprünglich wollte der Süddeutsche Rundfunk seine Antennen auf einen 200 Meter hohen, mit Drahtseilen gesicherten Eisen-Gittermasten stellen. Der berühmte Stuttgarter Brückenbauer und Statiker Professor Fritz Leonhardt schlug dagegen einen Betonturm vor. Neu an seiner Idee war nicht nur die Konstruktion, sondern der Vorschlag, den Bau auch touristisch und gastronomisch zu nutzen, welcher zugleich auch ein  architektonischer Blickfang werden sollte. So entstand ein ästhetischer Turm mit einem fast kreiszylindrischen Korb, der Aussichtsplattform, Gaststätte und  Sendertechnik einschloss. Die Baukosten von 4,2 Millionen Mark amortisierten sich bereits nach fünf Jahren durch die Eintrittsgelder.

Nach einer Bauzeit von 20 Monaten wurde der Stuttgarter Fernsehturm am 5. Februar 1956 eingeweiht. Er wurde zu einem Prototyp, den man auf der ganzen Welt nachbaute und weiterentwickelte – von Frankfurt über Dortmund bis Johannesburg und Wuhan in China.

Am 28. März 2013 wurde der Turm für die Öffentlichkeit geschlossen, da die Brandschutz-Richtlinien nicht mehr eingehalten werden konnten. Der gerade neugewählte Stuttgarter Grüne Oberbürgermeister Fritz Kuhn machte sich damit weit über die Grenzen Stuttgarts unbeliebt. Es handelte sich immerhin um das Wahrzeichen des SWR und der Landeshauptstadt. Der Fernsehturm wurde übrigens erst 2011 grundlegend saniert, samt Brandschutz-Korrekturen in Millionenhöhe.

Ein Unglück im Moskauer Fernsehturm hatte die Brandschutz-Auflagen auch in Deutschland verändert. Diese Entscheidung hatte viele Bürger im Ländle verärgert.

Eine Wiedereröffnung des Stuttgarter Fernsehturmes galt zunächst als ungewiss. Während der Schließung betrug der jährliche Verlust 1,2 Mio. Euro. Im Februar 2014 wurde die sicherheitstechnische Nachrüstung beschlossen. Für die Kosten, die der Turmbetreiber SWR Media und die Stadt sich teilten, wurden 1,2 Mio. Euro veranschlagt. Am 29. September 2014 erteilte die Stadt Stuttgart die Baugenehmigung. Dabei wurde bekannt gegeben, dass die geschätzten Kosten auf 1,8 Mio. Euro steigen. Alles Brennbare wurde entfernt – das Turm-Restaurant mit warmer Küche geschlossen. Dafür befindet sich in 147 Metern Höhe ein Panorama-Cafe´, mit einem phänomenalen Ausblick.

Am 29. Januar 2016 wurde der Aussichtsturm neu eröffnet; am darauffolgenden Tag war er für die Öffentlichkeit wieder zugänglich. Am ersten Wochenende nach der Wiedereröffnung besuchten 3815 Menschen den Turm. Maximal 320 gleichzeitige Besucher sind auf der Aussichtsplattform zulässig.

Fundament

Während bei den großen Schornsteinen in den 50er Jahren schwere Massivplatten das Fundament bildeten, entwickelte Fritz Leonhardt für den Fernsehturm erstmalig ein Ringfundament mit einer Kernweite von 27 Metern. Diese Kernweite bewirkt, dass die Schwankungen viel geringer ausfallen. Um das Ringfundament mit der Belastung von 4500 Tonnen nicht zu sprengen, wählte man ein radiales Drahtbündel aus festem Stahl. Wie die Speichen bei einem Fahrrad, setzen die Spannglieder das Ringfundament unter Spannung und festigen es. Mit einer dünnen Betonplatte werden die Spanndrahtstähle gegen Korrosion durch das Grundwasser geschützt.

Zwei Kegelschalen sorgen für Stabilität  

Als Übergangselement vom Fundament zum Schaft dient eine Kegelstumpfschale, die die Lasten und Windkräfte auf den Ring überträgt. Schräg dagegen und gewissermaßen auf dem Kopf steht im Innern des Fundaments eine zweite Kegelschale. Diese Schale setzt am oberen Rand der äußeren an und ihre Spitze ist in die Bodenscheibe im Zentrum eingelassen. Somit entstand ein räumliches, sehr stabiles Fachwerk.

Fritz Leonhardt wollte das breite Fundament unter der Erde verschwinden lassen. Die Leichtigkeit des Bauwerks sollte nicht durch eine massive Basis zerstört werden. Dies war später bei den Türmen in Ostberlin oder Moskau der Fall.

Der Konstrukteur Fritz Leonhardt plante viele Sicherheitsvorkehrungen ein. Er sagte später: "Den Stuttgarter Turm haben wir mit übertrieben großer Sicherheit bemessen, weil Neuland beschritten wurde."

Sendemast

Der Sendemast des Fernsehturms Stuttgart ist ein genieteter, quadratischer Gittermast aus Winkelprofilen. Das 32 Meter hohe untere UKW-Teil ist 1,90 Meter breit, während das 19 Meter hohe obere Teil nur noch 1,29 Meter breit ist. Der Mast wiegt 48 Tonnen.

Der Antennenmast ist nach den internationalen Richtlinien hellrot und weiß gestrichen. Damit zeichnet er sich gegen die dunkle Erde und den hellen Himmel deutlich ab und wird vom Flugzeug aus gesehen. Zusätzlich ist der Antennenmast mit roten Hindernisfeuern bestückt.

Obwohl mit dem Turmbau ab 1955 ein guter Fernsehempfang im Großraum Stuttgart gewährleistet war, kam es trotzdem immer wieder zu Klagen über gestörte Bilder aus abgeschatteten Teilen des Stadtgebiets.1965 ließ daher der Süddeutsche Rundfunk den Stahlgittermast um 3,8 Meter erhöhen. Seither ist der Turm 217 Meter hoch.

Die Fernsehantennen sind momentan stillgelegt. Sie sind für den Frequenzbereich des terrestrischen Fernsehens (DVB-T-Standard) nicht mehr geeignet. Der Stahlgittermast hätte umfangreich umgebaut werden müssen. Seit Juli 2006 wird daher das erste Fernsehprogramm der ARD nicht mehr über den Fernsehturm, sondern über den benachbarten Fernmeldeturm der Telekom ausgestrahlt.

Der Fernsehturm sendet seit Mai 1956 Radio-Programme. Die UKW-Sendeantenne wurde erstmals 1981 und wegen eines Schadens im Jahr 2000 erneuert.1988 begann die Entwicklung des digitalen Rundfunks (Digital Audio Broadcasting DAB). Zur besseren Versorgung wurde im Jahr 2000 ein leistungsfähige DAB-Antenne am Mast montiert.

 

Im Anschluss an die knapp zwei stündige Führung von Herrn Buck kehrten wir in das direkt unterhalb des Turmes gelegene Restaurant „Leonhardts“ ein. Dieses trägt seinen Namen zu Ehren des Turm-Erbauers Fitz Leonhardt. Leonhardt war der Schöpfer, Gestalter und Konstrukteur des ersten Fernsehturmes der Welt.

Auch eine vierköpfige Delegation aus Dresden war extra nach Stuttgart gereist. Eberhard Mittag, Thomas Ludwig mit Begleitung vom Verein Fernsehturm Dresden http://www.vereinfernsehturmdresden.de/  lernten wir bereits im Oktober 2016 anlässlich der FMK-Radiotage rund um Dresden kennen. Sie kämpfen für die Wiedereröffnung des Dresdner Fernsehturmes. Stuttgart hat gezeigt, wie man einen geschlossenen Turm wieder zum Leben erweckt.

Herzlichen Dank an alle Teilnehmer und natürlich an Herrn Buck für einen unvergesslichen Vormittag weit über Stuttgart.

Sämtliche Bilder ©Hayati Aygün - vielen Dank !

Sehenswerte Ergänzungen / Links:

„Zuhause bei Mr. Fernsehturm“ – Matthias Buck:

http://www.swr.de/swr1/bw/zuhause-bei-mister-fernsehturm-seit-fast-30-jahren-station-am-turm/-/id=233362/did=16787576/nid=233362/1ae0eu2/

SWR-Fernsehen mit  der Doku: „Einblicke in den Stuttgarter Fernsehturm“ :

http://www.swrfernsehen.de/einblicke-in-den-stuttgarter-fernsehturm/-/id=13192642/did=17158152/nid=13192642/3hdx1s/index.html

Warum war es notwendig den Stuttgarter Fernsehturm zu schließen, obwohl zwei Jahre zuvor eine umfassende Sanierung samt Brandschutz in Millionenhöhe erfolgt war? Warum hat es fast drei Jahre gedauert, bis das Wahrzeichen Stuttgarts wieder geöffnet wird? Hat die Liebe der Menschen zu ihrem Turm, dem ersten Fernsehturm der Welt, ein Happy End? Die Sendung beantwortet nicht nur diese Fragen, sondern blickt zurück in die 60-jährige Geschichte des Turms.

Quellen:

http://www.fernsehturm-stuttgart.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Stuttgarter_Fernsehturm

und natürlich: Herr Buck J

 

Thomas Kircher

http://fmkompakt.de

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