1. Helmut Simon aus Kaufbeuren gehörte mit seinem "Kind" der Neuen Welle Ostallgäu, kurz NWO, zu den Radiopionieren in Deutschland. Jeder, der sich mit den Anfängen des Privatradios in Bayern beschäftigt, kommt um Dr. Simon und der NWO nicht vorbei. Für FMK erinnert sich Dr. Simon in einer mehrteiligen Chronologie an die spannende Idee, den Werdegang und die Ereignisse rund um

 

Radio NWO

  1. Vorgeschichte

1966 wurde ich in den Stadtrat von Kaufbeuren gewählt und dort von meiner Fraktion zum „Referenten für Versorgung“ bestimmt. Dazu gehörte auch die Rundfunk-Versorgung und ich sollte mich um eine Verbesserung des Fernseh-Empfangs in der Stadt bemühen. Dazu wurde mir von der Post die Errichtung einer „Großgemeinschafts-antennenanlage“ (GGA) empfohlen und die Verkabelung der historischen Altstadt. Der Stadtrat stimmte dem zu und so wurde die Firma „CityCom“ mit der Verwirklichung beauftragt. Bald dehnte sich das Kabelnetz auch in die Außenbezirke aus, denn man konnte mit ihm durch die günstige Lage der Kopfstation ab 1970 schon sieben Fernseh-Programme empfangen. Das machte das Netz attraktiv und die Zahl der Teilnehmer stieg rasch an. Das war für die spätere Verbreitung des lokalen Hörfunks natürlich eine wichtige Grundlage.

Mitte der 70er Jahre wurde ich vom Stadtrat in den Arbeitskreis „Neue Medien“ des Bayerischen Städtetages entsandt, der sich mit der Vorbereitung der Bayerischen Mediengesetze beschäftigte. Deswegen fuhr ich auch nach Absprache mit der Bayerischen Staatskanzlei mehrfach in die Schweiz und nach Südtirol und besuchte zusammen mit Alexander Wiese von „tav“ (Tele-Audio-vision) dort alle deutschsprachigen Lokalrundfunkstationen, worüber ich auch immer Berichte an die Staatskanzlei schickte.

1984 war es dann endlich soweit: das so genannte „MEG“ (Bayerisches Medienent-wicklungs- und –erprobungsgesetz) trat am 1. April in Kraft. Allerdings enthielt es wegen des Artikels 111a der Bayerischen Verfassung (Rundfunk darf in Bayern nur in „Öffentlich-Rechtlicher“ Verantwortung stattfinden) zahlreiche komplizierte juristische Konstruktionen. Damit sollte der Artikel letztlich umgangen werden, denn die privaten Rundfunkveranstalter wurden schlicht zu „Anbietern“ gemacht, die ihre lokalen oder landesweiten Programme der örtlich zuständigen öffentlich-rechtlichen Einrichtung „anzubieten“ hatten.  So wurde nicht nur 1985 die BLM („Bayerische Landeszentrale für Neue Medien“) auf öffentlich-rechtlicher Basis gegründet, es wurden auf regionaler  Basis jeweils auch eine so genannte „KG“  (Kabel-Gesellschaft später „MBG“ = Medien-Betriebs-Gesellschaft) veranlasst, in der die Kommunen, Kirchen, Vereine, „Anbieter“ usw. vertreten sein sollten. Diese Kabel-Gesellschaften sollten die örtlichen Programme „organisieren“ und „verantworten“.

Nach Inkrafttreten des MEG wollte der OB unserer Stadt natürlich auch ein „lokales“ Medium“ und er beauftragte mich mit der Schaffung einer solchen Einrichtung „weil ich ja schon mit der Verkabelung und beim Bayerischen Städtetag Erfahrung gesammelt hätte“. So kam ich (als Zahnarzt) zu der Aufgabe, ein Lokalradio zu schaffen. Ich versuchte natürlich als Erstes, mit Kollegen aus ganz Bayern in der Hinsicht Kontakt aufzunehmen. Wir trafen uns regelmäßig zum Erfahrungsaustausch und gründeten den VPRT (Verband privater Rundfunk und Television) als „übergeordneten“ Verband und den  VBL (Verband Bayerischer Lokalrundfunk). Beim VBL war ich bis 1990 stellvertretender Vorsitzender.

  1. Gründung

Im Juli 1984 hatte ich genügend Gesellschafter und Kapital gewonnen, wobei mir die Kollegen der Neuen Welle Bayern aus München halfen und auch aus der Bevölkerung erhielt ich viel Ermunterung. Ich bemühte mich bewusst um eine breite Streuung der Gesellschafter. Am Schluss hatte ich eine bunte Mischung aus Geschäftsleuten, Verlegern, Banken, Musikproduzenten und interessierten Bürgern beisammen, sodass wir zur Gründung einer GmbH schreiten konnten. Sie wurde im Handelsregister eingetragen und war damit geschäftsfähig. Parallel dazu hatte ich mich bemüht, geeig-nete Personen zu finden, die in der Lage wären, das künftige Programm zu gestalten. Dazu sprach ich stadtbekannte Laienschauspieler (wegen ihrer geschulten Stimme und ihrer Fähigkeit, auch vor Publikum zu sprechen) und Musiker, aber auch technisch Versierte an. Bald war auf diesem Wege eine beachtliche Mannschaft zusammen gekommen.

 

  1. Startvorbereitung

 

Um das Projekt bekannt zu machen, zeigten wir uns mit einem Stand auf allen Festen und probten auf Ausstellungen das Interviewen von Besuchern und Prominenten. Wir kündigten unsere Vorbereitungen für den Sendestart auf großen Plakaten an und trugen bei jedem geeigneten Anlass einheitliche T-Shirts mit unserem Sender-Logo.

In der Zeit bemühte ich mich in München um eine Sendeerlaubnis bei der Bayerischen Staatskanzlei, die „im Prinzip“ mein Projekt gut fanden. Doch die Bildung der im MEG gesetzlich vorgesehenen Aufsichts- und Genehmigungsbehörden (BLM und KG) verzögerte sich von Monat zu Monat, weil sich die Besetzung der entsprechenden Gremien (Medienrat der BLM, Gesellschafterversammlung der KG) schwierig gestaltete, denn es sollten ja alle „gesellschaftlich relevanten Gruppen“ berücksichtigt werden. Das gelang nicht, denn einige davon lehnten den privaten Rundfunk aus Prinzip ab.

So dauerte es über ein Jahr, bis sich die Organisationen konstituiert hatten. Deshalb wandte ich mich an die Post und erhielt (mit dem Segen der Staatskanzlei) drei zeitlich befristete Zeiträume für „Erste Versuchsausstrahlungen“ (EVAs) im recht großen Kabelnetz Kaufbeuren und Umgebung. Diese „EVAs“ waren ein Erfolg und die Mannschaft hatte sich bewährt.

Schließlich war es erst im Februar 1986 soweit, dass es in den Dauerbetrieb gehen konnte und wir 24 Stunden täglich im Kabel senden konnten.

 

  1. Probleme

 

Während der Startvorbereitungen hatte man uns zum Teil belächelt und das Projekt als technische Spielerei abgetan. Als es aber konkreter wurde und eine Verwirklichung immer wahrscheinlicher wurde, witterte die Lokalzeitung (Ableger der „Augsburger Allgemeinen“) die Konkurrenz auf dem Werbemarkt. So wurden wir von dort bekämpft und flugs ein Gegenprodukt aus dem Hut gezaubert. Die schlechte Berichterstattung machte uns natürlich große Probleme, vor allem, als wir anfingen, Werbung zu akquirieren.

Schwierigkeiten bereitet uns der Wunsch einiger Gesellschafter, unbedingt „Profis“ in die Mannschaft aufzunehmen. Diese waren natürlich sehr teuer, obwohl sie nichts zur Qualität des Programms beitrugen. So kam es bald zu finanziellen Engpässen.

Im Bild: Dr. Helmut Simon (Mitte) präsentiert stolz die Studioeinrichtung der NWO

 

5. Kabelbetrieb

 

Am 6. 2. 1986 begannen wir den Dauerbetrieb im Kabel auf einer eigenen Frequenz. Wir verbreiteten ein durchgehendes Programm ohne Zulieferungen mit stündlich wechselnden Musikarten und täglich drei ausführliche Informationssendungen über lokale Themen. Die Resonanz bei den Hörern war durchweg positiv und das „Konkurrenz-Radio“ RTA schadete unserer Akzeptanz in keiner Weise.

Problematisch gering blieben nur die Einnahmen aus der Werbung, sodass wir immer wieder mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatten. So waren die Gebühren für die Kabelgesellschaft Allgäu und die technischen Sendegebühren bei der Post immens hoch. Unsere Werbekunden mussten wir von Monat zu Monat vertrösten, dass „demnächst“ die UKW-Ausstrahlung beginnen würde. Die Suche nach einer entsprechenden Frequenz und deren Zuteilung für eine Sendeerlaubnis dauerte wieder Monate – praktisch das ganze Jahr 1986.

 

  1. UKW-Betrieb

 

Nach einigen technischen UKW-Ausstrahlungsversuchen bekamen wir Ende des Jahres die Sendeerlaubnis für die Frequenz 88,2 MHz zugeteilt. Leider wurden wir jedoch von der BLM zu einer Fusion mit der Konkurrenz RTA genötigt. Auch die Akquisition für die Werbung wurde in einer Gesellschaft zusammengefasst. Das beschränkte unser Radio ganz erheblich sowohl in finanzieller wie in personaler Hinsicht.

Zu allem Unglück gab es eine erneute Ausschreibung der UKW-Frequenz und es wurden von der BLM weitere zwei Anbieter zugelassen. So wurde unsere Sendezeit immer mehr beschnitten und wir mussten sogar Räume unseres Studios diesen zur Nutzung überlassen. Auch unsere Fusion mit der Zeitungskonkurrenz zu „Radio Ostallgäu“ ging dabei in die Brüche und es kam wieder zur Trennung in RTA und NWO.

Die anderen zwei Anbieter hatten jedoch keinen Erfolg mit ihrem einfach gestrickten Programm und dem geringen Personal. Sie zogen sich nach einiger Zeit wieder von der Frequenz zurück. Leider hinterließen sie einen großen Image-Schaden für das ganze Programm.

 

  1. Ende

 

Die nächsten Jahre 1987 bis 1990 gingen wieder mit wechselndem Erfolg vorbei. Das Radio hatte sich etabliert, hatte mehrere weitere Senderstandplätze zugewiesen bekommen, sich so über den ganzen Landkreis Ostallgäu ausgebreitet und allgemein anerkannte Sendungen geschaffen wie „So klingt’s bei uns“ die sogar vom Bayerischen Rundfunk übernommen worden war. Der Medienrat der BLM besuchte uns, der damalige Intendant des BR und viele Praktikanten anderer im Aufbau befindlichen Stationen (aus Passau, Traunstein usw.). Radio NWO strahlte bald auch im Kabel ein zweites Programm aus.

Trotzdem wurde es im März 1990 an einen Bauunternehmer verkauft und die NWO GmbH liquidiert. Ich war damals nicht mehr dabei, da ich bereits im Herbst 1989 von meiner Partei als Kandidat für die Wahl zum Bayerischen Landtag nominiert wurde. Das hielt ich für nicht kompatibel mit den Status eines Geschäftsführers beim örtlichen Rundfunk und trat von meinem Amt – auch beim VBL – zurück.

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Nachdem Radiopionier Dr. Helmut Simon für FMK den Werdegang von Radio NWO zusammengetragen hat, werden hier u.a. diverse Zeitungs- und Presseartikel zu diesem Sender auf FMK veröffentlicht :

SZ vom 7./8.4.84 Radio Kaufbeuren programmiert - Die Stadt im Allgäu plant einen eigenen lokalen Sender. Radiopionier Helmut Simon über die Pläne rund um die zukünftige Neue Welle Ostallgäu/NWO. 

Juni 1985: "Neu im Oberland - Neue Welle Oberland" - Alex Wiese berichtet über den Verbund einiger Bayrischer Lokalradios - hierzu gehört auch die Neue Welle Ostallgäu !

Ende 1986 startet die Neue Welle Ostallgäu den regulären Sendebetrieb auf UKW. Bereits anlässlich der Ostallgäuer Herbstwoche sendete NWO im Probebetrieb auf 88,20 MHz ! Im NWO-MAGAZINE stellte sich die Station vor. "Wir pfeifen nicht nur Blasmusik" + Bild vom NWO-Geschäftsführer: Dr. Helmut Simon ! - Von der Jugendsendung, über Kultur, Sendungen zum Schmunzeln bishin zur "Geier-Show" : Das Programm der NWO - "Tempo Italiano" 60 Minuten flotte Italohits mit Silviano Bassu, Vorstellung des Teams, sowie "Das bunte Programm von Radio NWO".

März 87 Info Dienst Neue Medien: Rundfunkwerbung Ostallgäu - eine erstaunliche Pionierleistung . Eine Frequenz-Eine Werbung und Einschätzung: "1 Jahr lokaler Hörfunk" im Allgäu

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  1. Helmut Simon blätterte für FMK in seinem Fotoalbum und stellte exklusiv folgende Erinnerungen zur Verfügung (herzlichen Dank !)>

 

 

 

Radio NWO vor Ort: Dr. Helmut Simon berichtet live vom Weihnachtsmarkt in Kaufbeuren

 

 

Auf den Medientagen in München: Günther Jauch (BR) - Dr. Wolf-Dieter Ring (BLM) und Dr. Helmut Simon (NWO)

 

(BLM) und Dr. Helmut Simon (NWO)

 

 

Dr. Helmut Simon pflegte einen freundschaftlichen Kontakt zu anderen Radiopionieren - sowohl zu den Kollegen im Inland, wie auch zu den Privatstationen in Südtirol (im Bild oben: vor dem Studio von Radio Brenner in Sterzing - Dr. H. Simon: Mitte). Dr. Simon machte zusammen mit Alexander Wiese/Teleaudiovison 1983 einen "Ausflug" nach Südtirol.

 

 

Vor dem Studio von Radio Tirol, damals noch im Dorf Tirol beheimatet - die obigen Aufnahmen entstanden ca. 1983

 

 

Jo Lüders (links) von Radio Xanadu lässt am 1.4. 1984 zum Sendestart des Privatfunks (Kabelpilotprojekt) in München die Korken knallen - Im Studio von Xanadu: Bildmitte: Dr. Helmut Simon, der zu damaliger Zeit u.a. auch für Alexander Wieses Fachzeitschrift "Tele Audiovision" Beiträge über die ersten deutschsprachigen Privatradios verfasste

 

 

Gute Laune zum Start des Kabelpilotprojektes am 01.04.1984 im Studio von Radio Aktiv, mit Deutschlands jüngstem Radio-Macher Peter Pelunka (2. von rechts) - Danke an Dr. Simon (links) für die Aufnahme

 

Dr. Helmut Simon war nicht "nur" in bzw für Bayern radioaktiv. Schon 1983 hatte er für die Bayerische Staatskanzlei einen "offiziellen Auftrag" :

 

27.12.-30.12.83 : Bereits acht Wochen nach dem Start der ersten Schweizer Privatradios befand sich Dr. Helmut Simon (Neue Welle Ostallgäu) in der Schweiz, um für die Bayerische Staatskanzlei seine Eindrücke über die Neuen Privaten Medien zu schildern. Diese Auswertung diente als Grund- und Vorlage für den bevorstehenden Privatfunk in Bayern ! Dr. Helmut Simon stellt sein Dossier über die "Informationsfahrt zu den Schweizer Lokalradios" FMK exklusiv zur Verfügung. So kommen die Leser in den Genuss, einen Einblick der ersten privaten Schweizer Radiostationen kurz nach deren Sendebeginn zu erhalten :

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